Schwaches Wachstum in China kein Alarmsignal

Die Konjunktur in China hat sich zum Auftakt dieses Jahres nochmals verlangsamt: Die Wachstumsrate von 8,1 Prozent, die Peking heute Morgen für den Anstieg der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal veröffentlicht hat, ist der niedrigste Wert seit fast drei Jahren. Die bereits recht skeptischen Erwartungen der im Vorfeld befragten Experten wurden zwar nur geringfügig unterschritten. Allerdings wurden die förmlich in letzter Minute aufgekeimten Hoffnungen auf eine Stabilisierung des Wachstumstempos (im Schlussquartal 2011 lag die Rate noch bei 8,9 Prozent), getreu dem Motto, dass China immer für eine positive Überraschung gut ist, herb enttäuscht. Dabei hatte die Weltbank gerade erst eine Absenkung ihrer diesjährigen Wachstumsprognose für China auf 8,2 Prozent bekannt gegeben. Auch wir vertreten seit geraumer Zeit die Ansicht, dass die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr wohl nur noch das geringste Wachstum seit über 10 Jahren erreichen wird. Die nun gemeldeten Zahlen liegen daher ganz im Rahmen unserer Erwartungen.

Chinas Wirtschaft wird derzeit gleich von zwei Seiten ausgebremst: Zum einen macht sich die ausgeprägte Nachfrageschwäche in der EU, die der größte Absatzmarkt für chinesische Produkte ist, deutlich in der Exportkonjunktur bemerkbar. Chinas Ausfuhren haben im letzten halben Jahr saisonbereinigt kaum mehr als stagniert, wobei der Anteil der Exporte in die EU auf den niedrigsten Stand seit fast 10 Jahren gefallen ist. Gleichzeitig schwächt sich die heimische Bautätigkeit nun sichtbar ab – „endlich“, möchte man fast sagen, denn bis zuletzt zeigte sich die Baukonjunktur noch recht unempfindlich gegenüber dem deutlichen Nachfragerückgang am Immobilienmarkt, der sich seit einigen Monaten an sinkenden Hauspreisen und Umsätzen ablesen lässt. Hier macht sich nun vor allem die bis weit in den Sommer letzten Jahres deutlich gestraffte Geldpolitik bemerkbar.

Die gute Nachricht ist: Die chinesische Wirtschaft dürfte unserer Ansicht nach den Tiefpunkt im aktuellen Zyklus nun so gut wie erreicht haben. Wir erwarten für das soeben begonnene zweite Quartal keine weitere Abschwächung des Wachstumstempos, in der zweiten Jahreshälfte ist sogar wieder mit einer leichten Beschleunigung zu rechnen. Warum? Zum einen dürfte sich die Weltwirtschaft im weiteren Jahresverlauf erholen und auch in Europa sollte die Importnachfrage wieder etwas zulegen können. Zum anderen hat Peking eine vorsichtige Wende in der Geldpolitik eingeleitet, die sich in den kommenden Monaten stabilisierend auf die nachlassende Investitionstätigkeit auswirken wird. Und schließlich steht spätestens im März kommenden Jahres der Stabswechsel in der chinesischen Regierung an, zu dem sich die scheidende Führung wohl kaum eine lahmende Konjunktur wünscht. Dabei ist durchaus vorstellbar, dass Peking auch wieder zu Fiskalmaßnahmen, zum Beispiel zur Ankurbelung des Konsums, greifen wird.

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