Die Euphorie nach den Tendern ist verflogen

Die aus den beiden EZB-Dreijahrestendern resultierende Euphorie ist inzwischen verflogen. Die Marktteilnehmer wenden sich nun wieder den ungelösten Problemen der Schuldenkrise zu. Die Ungleichgewichte in der Eurozone sind weiterhin immens. Die Rezession im Süden der Währungszone hält an und könnte sich möglicherweise noch verschärfen. Auch andere Staaten leiden inzwischen unter einem sehr schwachen Wachstum oder befinden sich, wie die Niederlande, in der Rezession. Die Sparprogramme werden in vielen Staaten nur zähneknirschend umgesetzt, der Widerstand in der Bevölkerung wächst, und auch die politischen Eliten bekennen sich nicht uneingeschränkt zu den Spar- und Reformprogrammen. In dieser Hinsicht werden die kommenden Monate interessant werden. Die europäischen Währungshüter haben, wenig überraschend, bei ihrem jüngsten Zusammentreffen den Leitzins unverändert bei 1,00% belassen. Damit setzt die EZB nunmehr seit vier Monaten auf eine Leitzinspolitik der „ruhigen Hand“. In Anbetracht der nach wie vor erheblichen Abwärtsrisiken für die europäische Konjunktur halten wir eine weitere Zinssenkung der EZB für nicht ausgeschlossen. Zugleich erscheint es uns nicht zwingend geboten, dass die Notenbank den von uns in der Zinsprognose auf Sicht von sechs Monaten gesetzten Senkungsspielraum bis auf 0,50% gänzlich ausreizt. Einen Risikofaktor für unsere Zinsprognose sehen wir in den anhaltend hohen Energiepreisen, welche den Inflationsausblick zusehends eintrüben. Im Zuge der erwarteten Renditeanstiege am US-Rentenmarkt dürften sich auch die Zinsen hierzulande etwas nach oben orientieren. Auf Sicht von zwölf Monaten erwarten wir die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen bei 2,40%.

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