Lohn-Preis-Spirale in Deutschland?

Die deutsche Wirtschaft schneidet derzeit im internationalen Vergleich – und besonders innerhalb des Euro-Raums – konjunkturell sehr gut ab. Deutschland führt die Rangliste beim Wirtschaftswachstum an, die Arbeitslosigkeit gehört im EWU-Vergleich zu den niedrigsten. Daraus ergibt sich tendenziell auch ein relativ hoher Preisdruck, denn es gilt: Je stärker die Produktionskapazitäten ausgelastet sind, desto stärker ist in der Regel auch der durch Lohn- und andere Kostensteigerungen ausgelöste Inflationsdruck.

Die Daten im Euro-Raum zeigen es derzeit auch: Die Länder mit den höchsten Arbeitslosenquoten weisen aktuell auch die niedrigsten Teuerungsraten auf. Dagegen ist die Inflationsrate in Ländern mit noch recht positiver Arbeitsmarktlage relativ hoch. Das Auseinanderklaffen der wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen EWU-Ländern mit einer noch recht guten Konjunktur in Ländern wie Deutschland und den Ländern der südlichen Peripherie stellt die Geldpolitik der EZB aber vor immense Probleme. Die EZB wird in den kommenden Jahren auf die deutschen Bedürfnisse und die sich hierzulande aufbauende Preis-Lohn-Spirale nicht angemessen reagieren können, nennenswerte Zinserhöhungen sind vorerst kaum zu erwarten. Eher wird der Druck auf die Zentralbank, das Wachstum stärker zu fördern, noch größer werden.

Die Gefahr besteht, dass sich in Deutschland eine inflationäre Entwicklung aufbaut, die geldpolitisch nicht bekämpft werden kann. Der Realzins liegt sowohl am kurzen als auch am langen Ende deutlich im negativen Bereich, das hat es zumindest bei den Kapitalmarktrenditen seit Jahrzehnten nicht gegeben. Wir gehen für die kommenden Jahre in Deutschland zwar noch nicht von einer akuten konjunkturellen Überhitzung aus, da das Wirtschaftswachstum vorerst kaum über die 2-Prozentmarke klettern dürfte. Die Inflationsrate dürfte in Deutschland in den kommenden Jahren aber deutlich oberhalb des EWU-Durchschnitts liegen und sich zumindest in Richtung drei Prozent bewegen. Für viele Kapitalanleger drohen daher reale Verluste sowohl mit geldmarktnahen Anlagen als auch mit niedrig verzinsten Staatsanleihen.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *