Britische Wirtschaft bleibt schwach

Enttäuschende Nachrichten kamen heute Morgen aus Großbritannien: Das Office for National Statistics vermeldete einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal dieses Jahres. Bereits im Schlussquartal 2011 war die britische Wirtschaft geschrumpft. An den Finanzmärkten war hingegen ein Mini-Anstieg des Bruttoinlandsproduktes erwartet worden, und auch wir hatten ein leichtes Plus veranschlagt, nicht zuletzt, weil die Einkaufsmanagerindizes zum Jahresauftakt solide über der Expansionsschwelle von 50 Punkten lagen. Auch die Einzelhandelsumsätze hatten sich im ersten Quartal von der lebhaften Seite gezeigt.

Völlig überraschend ist das erneute Minus im Wachstumsprofil der britischen Wirtschaft dennoch nicht: So hatten in den vergangenen Wochen monatliche Daten für die Bauwirtschaft gezeigt, dass die Bautätigkeit zum Jahresauftakt ungewöhnlich stark eingebrochen ist. Die schwache Wirtschaftsleistung im Bausektor ist denn auch primär für den nun gemeldeten Rückgang verantwortlich. Auch der Außenhandel ist in den ersten Wochen des Jahres gesunken. Hier schlägt sich vor allem die schwache Nachfrage in den Euro-Staaten nieder, wo Großbritannien knapp die Hälfte seiner Ausfuhren absetzt – Tendenz allerdings deutlich fallend. Und grundsätzlich ist die Konjunkturdynamik auf den britischen Inseln ohnehin seit geraumer Zeit äußerst schwach, wozu der strikte Sparkurs der britischen Regierung erheblich beigetragen hat. So liegt die Wirtschaftsleistung auch gut drei Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise immer noch rund 4 Prozent unter ihrem Vorkrisenwert – seit dem Amtsantritt der Regierung Cameron vor zwei Jahren ist sie sogar nur um magere 0,4 Prozent gewachsen.

Die Aussichten für die kommenden Monate sind allerdings nicht durchweg negativ: In weniger als 100 Tagen beginnen in London die Olympischen Spiele, und Großbritannien wäre das erste Austragungsland seit vielen Jahren, das im unmittelbaren Vorfeld des Ereignisses keine Wachstumsimpulse generieren könnte. Last-Minute-Investitionen und ein kurzfristiger Beschäftigungsaufbau sollten sich vorübergehend positiv in der Wachstums- und Arbeitsmarktstatistik niederschlagen, wobei im Nachklang der Spiele allerdings auch mit entsprechend negativen Effekten zu rechnen ist – auch dies haben die Erfahrungen an früheren Olympia-Standorten gezeigt. Daher wird mehr als ein mageres Wachstum von rund ½ Prozent nach dem schwachen Jahresauftakt wohl auch in diesem Jahr kaum zu erreichen sein. Und auch für das kommende Jahr halten wir eine signifikante Beschleunigung der Konjunkturdynamik für äußerst fraglich. Schließlich hat Schatzkanzler George Osborne bekräftigt, in jedem Fall an seinem Sparkurs festzuhalten – und dies könnte in Zeiten schwachen Wachstums auch noch deutlichere Einsparungen erfordern.

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