Hat der Euro eine Zukunft?

Auch wenn die Euro-Schuldenkrise einer Lösung nicht näher gekommen ist, hat sich doch in den letzten Monaten Vieles ereignet, was den weiteren Verlauf und die Wahrscheinlichkeiten verschiedener Szenarien beeinflusst.

Die Chancen, die vorgeschriebenen Konsolidierungspfade halten zu können, sind trotz radikaler Einschnitte rezessionsbedingt gesunken;  die Vorgaben erscheinen nun noch unrealistischer als vorher. In der Politik hat die Auffassung an Gewicht gewonnen, die Sparpolitik bedürfe einer graduellen Korrektur. Andererseits ist, nachdem die „Brandmauern“ nun gemeinhin als ausreichend hoch eingeschätzt werden, ein Austritt Griechenlands kein Tabu mehr.

Der einzige momentan vorstellbare Weg, auf dem die EWU mit allen Mitgliedern fortbestehen kann, scheint uns in einer zeitlichen Streckung der Konsolidierungsvorgaben zu liegen – ohne Aufgabe ihrer absoluten Verbindlichkeit, die auch von den Problemländern ohne Wenn und Aber anerkannt werden müsste. Aus politischen Gründen müsste wohl auch eine Einigung über die Grundzüge eines Systems von Eurobonds Teil des Kompromisses sein. Kommt es dazu nicht, müsste Griechenland den Euro verlassen.

Auf längere Sicht – beginnend mit den Wahlen in Italien 2013 – bleiben zahlreiche politische Risiken, wegen derer der Euro scheitern oder zu einem „Nord-Euro“ werden könnte. Längerfristig sehen wir die Wahrscheinlichkeit dafür bei 40 Prozent.

Unabhängig von der künftigen Zusammensetzung der Währungsunion werden die Problemländer Strukturreformen vornehmen müssen, und das Konjunkturgefälle in der EWU wird steil bleiben.

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2 Kommentare

Der Vorschlag des Sachverständigenrats „Europäischer Schuldentilgungspakt“ hat durchaus Charme….wurde aber in der politischen Diskussion (u.a. den diversen Talkshows mit „Experten“….) nie ernsthaft aufgegriffen….

DZ BANK Research

Sie haben recht. Man sollte sich zwar bei der Einschätzung der politischen Meinungsbildung nicht zu sehr auf das Hintergrundrauschen aus Talkshows verlassen, aber der SVR-Vorschlag erschien von Anfang an chancenlos. Vor allem, weil er als das genaue Gegenteil dessen erschien, was mittelmäßig informierte Beobachter sich gerade noch vorstellen konnten: Vergemeinschaftung der Schulden BIS 60 Prozent des BIP mittels „red“ und „blue“ Bonds. Wenn der Rat gerade die Schulden ÜBER 60 Prozent vergemeinschaften will, dann ist das kaum zu vermitteln.

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