Mehr Puffer für den Franken? Der Exportsektor schwächelt aber weiter

Zunächst einmal ein Kompliment an Euro-Franken: Trotz der sich zuspitzenden Situation um Griechenland und den Fortbestand der Eurozone ist in diesem Währungspaar keine Neigung zu einer Franken-Aufwertung zu erkennen. An Interessenten an Sicheren Häfen dürfte es kaum mangeln, aber die SNB lässt auch weiterhin nicht zu, dass dies den Euro unter die selbst auferlegte Schmerzgrenze der SNB bei 1,20 CHF drückt. Wir sehen gute bis sehr gute Chancen, dass ihr dies auch bei einer Eskalation der Schuldenkrise, etwa in Form eines Griechenland-Austritts, weiterhin glücken kann. Von der noch zum Jahreswechsel plausiblen Anhebung der 1,20er Marke auf 1,25 CHF oder höher sollte aber vorerst keine Rede mehr sein. Eine Intensivierung der SNB-Interventionstätigkeit  ist dennoch plausibel, um mehr „Knautschzone“ in das Währungspaar zu bringen. Dadurch, dass Euro-Franken zuletzt nur noch hauchdünn von der 1,20er Marke entfernt war, war die Gefahr eines versehentlichen Unterschreitens in dünnem Handel sehr groß. Dem könnte die SNB leicht vorbeugen, auch ohne offizielle Anhebung der zu verteidigenden Grenze. Dass der plötzliche Kursanstieg vom Donnerstag Nachmittag nicht der SNB zuzuschreiben war, nimmt der Idee keinesfalls den Charme. Der Exportsektor würde eine solche Subventionierung durch einen gezielt geschwächten Franken nur gelegen kommen. Immerhin sind die Schweizer Exporte im April den zweiten Monat in Folge gefallen, um 3,9% in der Jahresrate um genau zu sein. Die Ausfuhren in die EU als größtem Handelspartner der Schweiz sind sogar um 7% niedriger als im Vorjahr. Lediglich die Pharma- und Uhrenindustrie konnte überhaupt noch ein Ausfuhrplus vermelden; letztere vor allem durch die starke asiatische Nachfrage aus dem Luxussegment. Wie stark sich die Exporteinbußen in der Gesamtwirtschaft niedergeschlagen haben, wird am kommenden Donnerstag das BIP-Wachstum fürs erste Quartal zeigen.

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