USA: Schwacher Arbeitsmarkt im Mai

Das US-Beschäftigungswachstum ist im Mai enttäuschend schwach ausgefallen: Per Saldo nur noch +69 Tsd. neue Stellen wurden geschaffen. Im Privatsektor waren es 82 Tsd., beim Staat wurden 13 Tsd. Stellen gestrichen. Erschwerend für die Arbeitsmarkterholung kommt hinzu, dass von den Job-Gewinnen der beiden Vormonate nun 49 Tsd. Stellen durch Abwärtsrevisionen wegfallen. Damit wurden seit März im Durchschnitt weniger als 100 Tsd. Jobs pro Monat geschaffen. Zum Vergleich: Von Dezember bis Februar gab es über 250 Tsd. neue Jobs pro Monat. Die Arbeitslosenquote ist im Mai erstmals seit Juni 2011 wieder gestiegen, von 8,1 auf 8,2 Prozent.
Seit vier Monaten schwächt sich das Tempo des Stellenaufbaus also ab, es reicht inzwischen nicht mehr aus, um den US-Arbeitsmarkt in den nächsten zwei oder drei Jahren – geschweige denn vor den Präsidentschaftswahlen im November – aus den Schlagzeilen herauszubringen. Offenbar hat eine immer größere Zahl von kleinen und mittelgroßen Betrieben derzeit keine Neigung, ihre Belegschaften weiter aufzustocken, zumal viele von ihnen über besonders schwierige Absatzbedingungen klagen. Es bestätigt sich das Bild, dass sich die US-Konjunktur seit Frühjahr in schwierigerem Fahrwasser befindet. Die skeptischeren Zukunftseinschätzungen der Unternehmen, wie sie etwa im ISM-Index der Einkaufsmanager oder in regionalen Industrieumfragen ermittelt werden, deuten hier keine rasche Überwindung der derzeitigen Jobkrise an.
Für Präsident Obama und seine Chancen auf Wiederwahl sind dies alles keine guten Zeichen. Sie deuten an, dass sich die US-Wirtschaft insgesamt noch nicht so nachhaltig von der letzten Krise erholt hat, als dass man sicher sein könnte, dass sie den möglicherweise zum Jahreswechsel kommenden „fiskalischen Schock“ ohne weitere Blessuren überstehen kann. Dieser „fiskalische Schock“ folgt daraus, dass am Jahresende zahlreiche expansive Maßnahmen auslaufen werden, sofern nicht bis dahin neue Entscheidungen getroffen werden. Zu ihnen zählen etwa die Steuersenkungen aus der Bush-Ära, die verminderten Sozialabgaben, diverse Abschreibungserleichterungen und die Langzeitarbeitslosenhilfe. Hinzu kommen die letztes Jahr verabredeten automatischen Ausgabenkürzungen.
Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen bestätigen also jene, die dringend einen finanzpolitischen Kompromiss fordern, der eine Brücke schlägt zwischen der Vermeidung einer neuen US-Rezession und einem Festhalten am grundsätzlichen Konsolidierungsziel. Auf das Timing der erforderlichen Maßnahmen kommt es diesmal ganz besonders an!

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