China: Wachstum wird im zweiten Halbjahr wieder etwas anziehen

In China setzt sich die allmähliche Abkühlung der Konjunktur erst einmal weiter fort: Die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie haben im Juni nochmals leicht nachgegeben. Für das gesamte zweite Quartal liegen die Werte nun unter den ohnehin schon niedrigen Niveaus vom Jahresauftakt. Auch die „harten“ Konjunkturdaten bestätigen diesen Trend. Die Wahrscheinlichkeit ist damit recht hoch, dass sich das Wirtschaftswachstum im abgelaufenen zweiten Quartal nochmals verlangsamt hat. Es könnte sogar erstmals seit der Wirtschaftskrise wieder unter die 8-Prozent-Grenze gefallen sein. Entgegen früherer Erwartungen läge das zyklische Tief im Konjunkturabschwung Chinas dann wohl doch noch nicht hinter uns.

Für die Weltkonjunktur sind dies sicherlich keine guten Nachrichten. Chinas Wirtschaft wird in diesem Jahr wohl um kaum mehr als 8 Prozent wachsen und damit so langsam wie seit über 10 Jahren nicht mehr – davon sind wir seit geraumer Zeit überzeugt. Die Sorge aber, dass sich die Konjunkturschwäche in China noch vertiefen könnte, teilen wir nicht. Die Stimmungsindikatoren mögen es noch nicht widerspiegeln, aber eine Wende in der chinesischen Konjunkturentwicklung ist durchaus absehbar: Die bisherigen Lockerungen der Geldpolitik sollten sich bald positiv in der Realwirtschaft niederschlagen. Erste Effekte sind bereits in einer stärkeren Expansion der Kreditvergabe zu erkennen. Sie dürften sich im weiteren Jahresverlauf auch in einer Stabilisierung der zuletzt recht schwachen Investitionstätigkeit bemerkbar machen. Am Immobilienmarkt scheint zudem die Talfahrt der Preis- und Umsatzentwicklung allmählich ihren Boden gefunden zu haben. Dies dürfte schon bald den Abwärtsdruck auf die Baukonjunktur verringern. Außerdem hat der Yuan in den letzten Monaten fast unbemerkt seinen Aufwärtstrend verlassen und notiert gegenüber dem US-Dollar mittlerweile schwächer als noch zu Jahresbeginn – eine Belastung weniger für die chinesische Exportindustrie.

Und schließlich sind wir der Ansicht, dass sich Peking im Falle einer fortgesetzten Abschwächung der Konjunktur noch entschiedener gegen den Abschwung stemmen würde – nicht zuletzt mit Blick auf den bevorstehenden Führungswechsel, der sich ab kommendem Oktober vollziehen und sicherlich nicht in einem konjunkturell kritischen Umfeld stattfinden soll. Weitere geldpolitische Lockerungen sind bereits jetzt absehbar – vermutlich sehen wir den nächsten Schritt schon Mitte des Monats, wenn die BIP-Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht werden. Fiskalpolitisch hält sich die chinesische Führung bislang noch „ihr Pulver trocken“, sie könnte aber ein Maßnahmenpaket, das auf die Bau- oder die Konsumkonjunktur zielt, sehr schnell auf den Weg bringen. Nur einen „großen Wurf“ sollte man nicht erwarten: Peking wird dafür sorgen, dass das Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas zulegt – die bisherige, durchaus erfolgreiche „sanfte Landung“ der Konjunktur wird die chinesische Führung aber nicht so schnell aufs Spiel setzen.

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