Kleiner Lichtblick bei den Industrieaufträgen

Die Auftragseingänge im deutschen verarbeitenden Gewerbe sind im Mai 2012 gegenüber dem Vormonat leicht angestiegen (um 0,6 Prozent, preis-, kalender- und saisonbereinigt). Allerdings bleibt das aktuelle Orderniveau immer noch deutlich hinter dem Vorjahresniveau zurück. Während die Nachfrage nach Konsumgütern im Vormonatsvergleich um immerhin 3,5 Prozent zulegen konnte, blieben die Orders für Investitionsgüter nahezu konstant (+0,2 Prozent).

Interessanterweise ist der Anstieg der Auftragseingänge in diesem Monat allein auf die Zunahme der Aufträge aus der krisengeschüttelten Eurozone zurückzuführen, die um mehr als sieben Prozent zulegen konnten. Der Grund hierfür ist wohl vor allem in einigen Großaufträgen zu finden. Trotz des guten Ergebnisses in diesem Monat gingen die Auftragseingänge aus der Eurozone in den ersten fünf Monaten dieses Jahres verglichen mit dem gleichen Vorjahreszeitraum denn auch weit überdurchschnittlich um fast neun Prozent zurück. Insgesamt sanken die Ordereingänge im verarbeitenden Gewerbe in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 3,5 Prozent. Positiv entwickelte sich im Fünf-Monats-Vergleich nur die Nachfrage aus dem außereuropäischen Ausland.

Nicht nur die Entwicklung der Auftragseingänge in den letzten fünf Monaten zeigt ein gespaltenes Bild der deutschen Unternehmenslandschaft. Die Euro-Schuldenkrise belastet insbesondere größere, exportorientierte Unternehmen. Die zurückgehenden Auftragseingänge aus den Ländern der Europäischen Währungsunion können nur zum Teil durch die stärkere Nachfrage aus dem außereuropäischen Ausland kompensiert werden. Die Produktionstätigkeit konnte in den ersten vier Monaten dieses Jahres zwar noch zulegen. Zuletzt hatte die Wachstumsdynamik aber bereits deutlich nachgelassen. Dementsprechend hat sich das Geschäftsklima in den exportabhängigen Branchen deutlich verschlechtert.

Besser sieht die Stimmung aber bei den eher inlandsorientierten Unternehmen aus, denn privater und öffentlicher Konsum laufen weiter gut und stützen damit die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Davon profitieren nicht nur die Einzelhandelsumsätze, die in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge preisbereinigt zulegen können. Auch in der Bauwirtschaft gibt es in Deutschland keine Anzeichen für eine Krise. Der Auftragsbestand der Architekten reicht aktuell im Durchschnitt für sechs Monate. Geglättet war er zuletzt Mitte der neunziger Jahre auf einem solch hohen Niveau. Zwar werden die Bauinvestitionen in diesem Jahr nur noch leicht zulegen. Sie können damit aber das sehr gute Vorjahresergebnis nochmals übertreffen.

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