USA: Privater Konsum verliert an Schwung

Die privaten Haushalte in den USA haben in den letzten Monaten deutlich an Konsumlust verloren. So sind die persönlichen Ausgaben im April und Mai nur noch etwa halb so stark gewachsen wie noch im recht guten ersten Quartal. Die Einzelhandelsumsätze haben in den letzten Monaten erkennbar an Dynamik eingebüßt, die Sparquote ist zuletzt gestiegen. Ein kompletter Stillstand der Konsumdynamik ist zwar nicht zu erwarten, aber das Umfeld für weiter gute Konsumzuwächse ist sehr viel schwieriger geworden als noch zu Jahresbeginn.

Zum Teil hängen die schwächeren Umsätze im Einzelhandel damit zusammen, dass die Sonderkonjunktur in der Autoindustrie vorbei ist. Die US-Autohändler hatten im letzten Jahr wegen gestörter internationaler Zulieferketten ja zeitweise nur ein sehr eingeschränktes Fahrzeugangebot, was dann später zu umfangreichen Nachholkäufen und zweistelligen Zuwachsraten beim PKW-Absatz geführt hatte. Dieser Nachholbedarf scheint nun gedeckt. Gravierend für die Konsumperspektiven sind aber nun auch andere Faktoren.

Vor allem die in den letzten Monaten deutlich verlangsamte Beschäftigungsdynamik lässt viele Verbraucher vorsichtiger agieren als noch zu Jahresbeginn. So sind im zweiten Quartal per Saldo nur noch rund 91 Tsd. neue Jobs im privaten Sektor geschaffen worden, das waren weniger als halb so viele wie in den beiden Vorquartalen (Q1-2012: 226 Tsd., Q4-2011: 184 Tsd.). Hinzu kommt, dass der Staat weiter Stellen kürzt. Die geringere Jobsicherheit, aber auch die Tatsache, dass es anders als früher nun viel schwieriger ist, rasch und ohne größeren Aufwand besser bezahlte Arbeitsplätze zu finden, belasten das Konsumentenvertrauen. Die Zuwächse bei den verfügbaren Einkommen lassen also keine „großen Sprünge“ zu.

Dass viele Reformvorhaben im politischen Bereich derzeit auf Eis liegen und nicht klar ist, wie sich nach den Präsidentschaftswahlen etwa die Steuerlast gestalten wird, trägt sicher ebenfalls dazu bei, dass der Konsum so kraftlos geworden ist. Umfragen zufolge ist es die mangelnde Planungssicherheit bei vielen Unternehmen, die auf der Beschäftigungsdynamik und damit auf den Konsumperspektiven lastet. Diese kann sich wohl erst nach den Wahlen im November auflösen. Zumindest eine kleine Entlastung für die US-Konjunktur gibt der seit April deutlich gesunkene Ölpreis, der die reale Kaufkraft der Konsumenten stützt und die Produktionskosten senkt. Wir sehen aber dennoch für die nächsten Monate keine Beschleunigung beim US-Konsum. Unsere Prognose für das US-Wirtschaftswachstum liegt weiter bei 2,0 Prozent in diesem und im nächsten Jahr, die Abwärtsrisiken sind aber wegen der vielen politischen Unsicherheiten (zu denen auch die Eurolandkrise gehört) zuletzt eher gestiegen.

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