EUR-USD: Euro auf breiter Front angeschlagen – Marke von 1,20 USD rückt näher

Der Euro hat in den letzten Tagen auf breiter Front Federn lassen müssen. Während er jüngst gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2010 gefallen ist, bewegt er sich gegenüber dem britischen Pfund in Bereichen, die er zuletzt im Herbst 2008 gesehen hat. Auch gegenüber der Schwedenkrone hat der Euro nichts zu lachen, sieht er sich doch hier sogar mit den tiefsten Ständen seit Ende 2000 konfrontiert. Getoppt wird diese Entwicklung durch die jüngst gegenüber dem Austral- und dem Neuseeland-Dollar ausgemachten neuen Allzeittiefs. Diese Entwicklungen halten uns deutlich vor Augen, wie schwer die aus der Schuldenproblematik resultierende Vertrauenskrise mittlerweile auf dem Euro lastet. Je länger überzeugende Ansätze zur Lösung der Krise auf sich warten lassen und je klarer wird, dass die europäische Politik auch nach zwei Jahren Krise weiterhin nicht mit einer Stimme spricht, desto größer werden die Zweifel an der Lösbarkeit dieser Vertrauenskrise. Dürfte sich der Euro für die zweite Jahreshälfte etwas von der europäischen Politik wünschen, so wären dies wohl weniger unausgegorene Ansätze, die auf den ersten Blick zwar für Erleichterung sorgen, bei genauerer Betrachtung jedoch die Frage nach der konkreten Umsetzbarkeit aufwerfen. Da bereits verschiedene EWU-Staaten angekündigt haben, gegen die jüngsten Gipfelbeschlüsse, die u.a. Staatsanleihekäufe direkt durch den ESM in Aussicht stellen, bzw. die den Krisenstaaten die Gelder der Rettungsschirme ohne zusätzliche Auflagen zugänglich machen wollen, ihr Veto einzulegen, dürfte dies in nächster Zeit jedoch ein hehrer Wunsch bleiben. Unserer Einschätzung nach dürfte die Gemeinschaftswährung in den kommenden Tagen von oben kommend zunehmend die psychologisch wichtige Marke von 1,2000 USD ins Visier nehmen. Auch ein vorübergehender Bruch dieser wichtigen Unterstützungszone dürfte in dem aktuellen Umfeld nicht verwundern. Sollte der Euro, wie von uns erwartet, bis in diesen Bereich fallen, so wäre dies der tiefste Stand seit Mitte Juni 2010.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Ein Kommentar

Ulrich Fielitz

Der Abwärtstrend des Euro bezogen auf US Dollar, Schweden Krone, NOK und dem Yen ist sicherlich intakt. Die Abwärtsentwicklung gegenüber den Rohstoff-Währungen Austral- und dem Neuseeland-Dollar könnte sich allerdings auch schnell wieder umkehren, sollten die Börsen einbrechen. Beide Länder profitieren aktuell von der Erholung der Märkte nach den Tiefs Mai/Anfang Juni 2012.
Bis die Fiskalunion/Bankenunion rechtlich in trockenen Tüchern und umgesetzt ist (so denn das Bundesverfassungsgericht und Länder wie Finnland zustimmen), werden vermutlich noch deutlich mehr als 12 Monate verstreichen. Mindestens bis dahin wird es an den Devisenmärkten weitere Turbulenzen geben.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *