Wie geht es dem keltischen Tiger?

Die irische Wirtschaft hat nach letzten Informationen des Statistikamtes im Jahr 2011 revidiert um 1,4 Prozent zugelegt. Die Zunahme ist damit doppelt so stark wie bisher vermeldet. Getragen wurde die Entwicklung vom Export, während die inländische Nachfrage – private wie staatliche Konsumnachfrage sowie die Investitionen – weiterhin rückläufig waren. Die positive Aussage passt in eine Reihe von Meldungen der letzten Zeit, die von der grünen Insel kamen. Angefangen von dem positiven Referendum zum Europäischen Stabilitätsmechanismus, über den Plan der Regierung, Anfang 2013 wieder an den Kapitalmarkt zurückzukehren bis hin zu dem Lob, das die Troika zuletzt für die Umsetzung des wirtschaftpolitischen Reformprozesses ausgesprochen hat. Irland als der keltische Tiger scheint damit mehr als nur seine Wunden zu lecken, die ihm die Rezession aus dem Jahr 2008/2009, die geplatzte heimische Häuserblase sowie die Bankenkrise zugefügt haben.

Die Daten zum Bruttoinlandsprodukt des ersten Quartals 2012 sind jedoch zumindest auf den ersten Blick ein hässlicher Kratzer in dem Bild. Gegenüber dem vierten Quartal 2011 sank die Wirtschaftsleitung um 1,1 Prozent. Maßgeblich bremsten die privaten Konsumausgaben die Wirtschaftsleistung, während die staatlichen Konsumausgaben erstmals seit acht Quartalen, die Investitionen zum zweiten Mal seit sieben Quartalen wuchsen. Auch die Exporte schlugen positiv zu Buche. Weil aber die Importe fast doppelt so schnell wie die Exporte zulegten, war der Nettoimpuls über den Außenbeitrag negativ und sorgte für den gesamtwirtschaftlichen Rückgang des BIP im ersten Quartal.

Wann kann der keltische Tiger also wieder zum Sprung ansetzen? Der starke Anstieg der Importe kann als Indiz dafür gelten, dass die wirtschaftliche Dynamik wieder etwas an Schwung gewinnt. Dennoch lastet gerade der Überhang aus der geplatzten Immobilienblase immer noch schwer auf dem Immobilienmarkt. Die Genesung des Bankensektors ist bei weitem noch nicht abgeschlossen und bei einer Arbeitslosenquote von mehr als 14 Prozent ist die irische Wirtschaft weit von einem normalen Niveau entfernt. Zudem mehren sich Stimmen, dass nach 2013 Irland vielleicht ein weiteres Rettungspaket der europäischen Partner benötigen könnte. Dies zeigt, dass die weitere Entwicklung der irischen Volkswirtschaft stark von der ausländischen Nachfrage abhängt und damit von der Stimmung in der Weltwirtschaft. Mit momentan eingetrübten Aussichten für den Euro-Raum und für Großbritannien als wichtige Handelspartner sind die Chancen für einen Sprung im Moment gedämpft.

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