Stimmung im Sommerloch

In der deutschen Industrie hat sich das Geschäftsklima im Juli weiter verschlechtert. Gemäß vorläufiger Daten ist der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im laufenden Monat mit nur noch 43,3 Punkten sogar auf ein 3-Jahres-Tief gefallen. Im Juni stand der Index noch bei 45 Punkten, der neutrale Wert liegt indes bei 50. Damit hat sich die Stimmungseintrübung im Industriebereich in den vergangenen Wochen ungebremst fortgesetzt, die Messzahl für Deutschland liegt nun sogar unterhalb des Durchschnittswerts für das verarbeitende Gewerbe im Euro-Raum.

Offenbar spüren immer mehr deutsche Industriebetriebe die negativen Auswirkungen der Krise in der Eurozone, der Optimismus, der noch in den ersten Monaten des Jahres vorherrschte, ist verflogen. Immerhin hält sich das Umfrageergebnis für den Dienstleistungssektor in Deutschland mit 49,7 Punkten noch im neutralen Bereich, und in der Bauwirtschaft laufen die Geschäfte weiterhin gut. Dennoch wächst das Risiko, dass die deutsche Konjunktur mehr und mehr unter der Krise in Südeuropa und der insgesamt schwächeren Weltwirtschaft leidet.

Ein Hoffnungsschimmer für das internationale Konjunkturbild kommt indessen aus China, wo der der privatwirtschaftliche, „inoffizielle“ Einkaufsmanagerindex auf ein 5-Monats-Hoch geklettert ist. Mit 49,5 Punkten liegt er zwar immer noch leicht unterhalb der Wachstumsschwelle. Der jüngste Anstieg nährt jedoch die Hoffnung, dass die Konjunktur in China ihren Tiefpunkt durchschritten hat und in der zweiten Hälfte dieses Jahres wieder etwas kräftiger wachsen wird. Eine stärkere Ausweitung der Kreditvergabe, ein Anstieg der staatlichen Investitionstätigkeit sowie ein höherer Außenhandelsüberschuss deuten ebenfalls in diese Richtung. Die zuletzt deutlich gelockerte Geldpolitik sowie das Vorziehen einiger staatlicher Infrastrukturprojekte machen sich allmählich bemerkbar, schließlich aber auch die Entwicklung des chinesischen Yuan, der schon seit Monaten gegenüber dem US-Dollar nicht mehr aufwertet und in den letzten Monaten sogar wieder an Wert verloren hat.

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