Turbulente Zeiten am Rohstoffmarkt

Die Rohstoffmärkte befinden sich derzeit in einem Spannungsfeld zwischen der Eurozonen-Schuldenkrise und einem seltenen Wetterphänomen in den Vereinigten Staaten. Beide Faktoren wirken auf die Entwicklung der diversen Rohstoffpreise gegensätzlich.

Als eine Folge einer Intensivierung der Krise im Euroraum droht ein spürbarer Rückgang der globalen Konjunktur. Vor diesem Hintergrund haben die Notierungen von Industriemetallen bereits in den zurückliegenden Monaten sukzessive an Höhe verloren. Auch die Erdölpreise sind aufgrund des Ausblicks auf einen konjunkturellen Abschwung von Ende Februar bis Mitte Juni kräftig unter Druck gekommen.

Im Gegenzug haben die Preise für Erdgas und Agrargüter zum Teil extrem angezogen. Ursache hierfür ist die anhaltende Hitze- und Dürreperiode in den Vereinigten Staaten, die allem Anschein nach das schlimmste Ausmaß seit 1956 annimmt. Im Agrarbereich droht der größte Ernteinbruch im Bereich Mais und Sojabohnen seit 1988. Die Befürchtungen, dass es am Weltmarkt zu einer Verknappung des Angebots an Agrarrohstoffen kommen könnte, nehmen deutlich zu. Dass der daraus resultierende Preisanstieg im Agrarsektor in den zurückliegenden Wochen extrem stark ausgefallen ist, liegt an den Lagerbestandsreichweiten, die bereits vor der Erntemisere in den USA ein vergleichsweise niedriges Niveau aufgewiesen haben.

Erhebliche Auswirkungen hat die Hitzewelle gleichfalls auf den Gasmarkt. Um sich gegen die ungewöhnlich hohen Temperaturen zu schützen, laufen die Klimaanlagen in Übersee seit geraumer Zeit auf Hochtouren. Der Energiebedarf in den USA ist hierdurch enorm hoch. Zur Deckung der hohen Nachfrage verstromen die US-Energiekonzerne Erdgas zu Lasten von Kohle, denn die Erdgasnutzung bietet trotz des jüngsten Preisanstiegs eine nach wie vor kostengünstige Alternative in der Stromerzeugung. Zeitgleich hat die Explorationsaktivität der US-Erdgasproduzenten spürbar abgenommen, wodurch der Preisanstieg noch an Dynamik gewonnen hat.

Die Preisentwicklung im Bereich der Edelmetalle hat sich in den vergangenen Wochen hingegen in einer Seitwärtsbewegung vollzogen. Angesichts der Tatsache, dass der US-Dollar im gleichen Zeitraum deutlich an Stärke gegenüber dem Euro gewonnen hat, ist die Stabilität der Edelmetallpreise überraschend. Für gewöhnlich ist insbesondere der Goldpreis mit einem steigenden US-Dollar negativ korreliert. Derzeit wiegt der Unsicherheitsfaktor „Schuldenkrise im Euroland“ allerdings schwerer als eine US-Dollar-Stärke. Gold, so scheint es, wird ein weiteres Mal seinem Ruf als „Krisenwährung“ gerecht.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *