USA: Weitere Konjunkturabschwächung im 2. Quartal 2012

Die US-Wirtschaft hat im zweiten Quartal weiter an Tempo verloren. Das BIP stieg nur noch um 1,5% (Q/Q, annualisiert), nach 2,0% im 1. Quartal. Die jüngste Wachstumsabschwächung beruht vor allem auf Einbußen bei der Konsumdynamik. Auch der Außenhandel wirkte im abgelaufenen Quartal bremsend. Die USA spüren die verhaltenere Nachfrage etwa aus China, aber auch die Turbulenzen rund um die Schuldenkrise in Euroland. Positiv stach vor allem der Wohnungsbau heraus, der sich nun mit erkennbar positiven Wachstumsbeiträgen auf niedrigem Niveau weiter zu stabilisieren scheint.

Dass die Binnennachfrage wegen der schwächeren Konsumlust nicht mehr so robust ist wie noch am letzten Jahreswechsel kommt nicht überraschend. Immerhin war das zweite Quartal von einer recht schwachen Beschäftigungsdynamik geprägt, die auch das Konsumklima stark belastet hat: Von April bis Juni wurden pro Monat per Saldo nur noch 75 Tsd. neue Jobs geschaffen. Im Vorquartal sah das mit durchschnittlich 226 Tsd. neuen Stellen monatlich noch ganz anders aus.

Die erlahmte Beschäftigungsdynamik bei gleichzeitig hoher Langzeitarbeitslosigkeit stellt ein großes Risiko für den weiteren US-Aufschwung dar. Immer mehr Privathaushalte sorgen sich um ihre Einkommensperspektiven. Viele Amerikaner sind von Transferleistungen abhängig, die möglicherweise bald auslaufen. Von den Unternehmen werden neben der aktuell schwierigen Absatzlage vor allen die Steuerlast und staatliche Regulierungen als größte Probleme genannt. Die scharfen politischen Kontroversen im Vorfeld der US-Wahlen im November lösen Planungsunsicherheit aus. Die Unternehmen zögern mit Neueinstellungen, weil sie zum Beispiel nicht abschätzen können, wie sich ihre künftige Steuerlast ändern wird, oder ob es bei der neuen Gesundheitsreform bleiben wird, die auch von ihnen Beiträge erfordert. Ein möglicher Präsident Romney will „Obamacare“ ja an seinem ersten Arbeitstag rückgängig machen. Die Unsicherheiten werden sich hier wohl so schnell nicht auflösen. Insofern halten wir für die USA an einer relativ verhaltenen Konjunkturprognose fest. Wir erwarten keine US-Rezession, für den restlichen Jahresverlauf aber auch keine durchgreifende Wachstumsbeschleunigung.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *