Italien steckt in einer schweren Rezession, weiterer Reformbedarf

Die Leistung der italienischen Wirtschaft ist auch im zweiten Quartal deutlich geschrumpft, das haben die heute veröffentlichten Zahlen gezeigt. Nach einer ersten Schätzung des italienischen Statistikamts war im Frühjahr die Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent niedriger als im Vorquartal. Italien befindet sich in einer schweren Rezession, die Wirtschaft im drittgrößten Euroland schrumpft bereits seit rund einem Jahr. Die Zahl der Arbeitslosen ist inzwischen auf 2,6 Millionen angestiegen – das bedeutet in den vergangenen zwölf Monaten einen Zuwachs von 600.000 Personen. Das von der EU-Kommission erhobene Verbraucherklima ist entsprechend in den letzten Monaten abgestürzt und erreichte im Juni ein neues Rekordtief. Aber nicht nur der private Konsum leidet unter dem Konsolidierungskurs der italienischen Regierung, der hauptsächlich über Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen vorangetrieben wird, auch die privaten Investitionen in Ausrüstungen und Bauten haben eine deutliche Talfahrt hinter sich und dürften diese noch weiter fortsetzen. Neben einer insgesamt schwachen Nachfrage und Auftragslage spielt hier wohl auch fehlendes Vertrauen der Wirtschaft in den Reformkurs der Regierung Monti eine Rolle, die jüngste Arbeitsmarktreform etwa blieb weit hinter den Erwartungen der Industrie zurück. Nach unserer Einschätzung schrumpft das italienische Bruttoinlandsprodukt auch im laufenden und den kommenden Quartalen: In diesem Jahr rechnen wir mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um rund zweieinhalb Prozent und im kommenden Jahr um ein Prozent.

Auch wenn die derzeitige italienische Regierung, die ja nur ein befristetes Mandat bis zum Frühjahr 2013 hat, beim Schließen der Lücke im Staatshaushalt recht gut vorankommt, so musste sie doch ihr Ziel eines ausgeglichenen Hauhaltes im kommenden Jahr bereits aufgeben. Die Staatsverschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung dürfte indessen in diesem Jahr weiter auf 126 Prozent ansteigen. Gleichzeitig werden die Belastungen durch Zinskosten weiter zulegen, so dass eine Rückführung der Staatsverschuldung ohne sichtbares Wirtschaftswachstum kaum möglich ist. Die zunehmenden wahlkampfähnlichen Äußerungen aus den unterschiedlichen Parteien lassen allerdings befürchten, dass es immer schwieriger wird, die erforderlichen Reformen auch umzusetzen.

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