Der ertrinkende Euro klammert sich an den EZB-Strohhalm

Die Irritation im Umfeld der EZB-Sitzung hat dem Euro nicht lange zugesetzt. An das letzte Fünkchen Hoffnung klammernd, zeigt er sich seitdem überraschend kämpferisch um Kurse von 1,24 USD. Von Enttäuschung darüber, von der EZB hingehalten zu werden, ist jedenfalls beim Euro-Kurs keine Spur, ganz im Gegenteil. „Im Zweifel für den Angeklagten“ gesteht man der EZB zu, dass sie noch mehr Vorbereitungszeit für die großen Euro-Hilfen benötigt.

Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass es eher Zweckoptimismus als echte Überzeugung ist, die den Euro vor schärferen Kursverlusten bewahrt hat. Der ertrinkende Euro muss sich an den letzten ihm verbleibenden Strohhalm klammern, und das ist nun einmal die EZB. Wenn auch die EZB nicht mehr helfen kann… kaum auszudenken, was die Folgen wären. Insofern hängen die Erwartungen an die nächste EZB-Sitzung im September hoch. Die Möglichkeit, dass die EZB auch dann nicht liefert, wird gemäß der in der Schuldenkrise bewährten Vogel-Strauß-Taktik (Kopf-in-den-Sand-Stecken) ausgeblendet. Doch selbst mit der erhofften Unterstützung seitens der Geldpolitik blieben die Aussichten für den Euro heikel: Mehr als ein Bekämpfen der Symptome (=hohe Spreads) würde eine solche EZB-EFSF-ESM-Aktion auch nicht bringen. Für die zugrundeliegende Krankheit (= marode Staatsfinanzen, mangelnde Reformfähigkeit, politischer Dissens in Europa) fehlt auch der EZB das Allheilmittel.

Eine vorübergehende Stimmungsaufhellung im Euro ist zwar nicht auszuschließen, letztlich dürfte es in den kommenden Monaten aber schwer fallen, mehr als nur temporäre Begeisterung für die Gemeinschaftswährung zu entwickeln.

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