China: Enttäuschende Konjunkturdaten zum Auftakt des dritten Quartals

In China lassen die Zeichen einer konjunkturellen Kehrtwende weiter auf sich warten: Der Datenkranz wichtiger Wirtschaftsindikatoren für den Monat Juli hat größtenteils enttäuscht. Vor allem im Industriesektor, der knapp die Hälfte zur chinesischen Wirtschaftsleistung beiträgt, blieb die Entwicklung deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dort verlangsamte sich das Expansionstempo weiter und verharrte mit 9,2 Prozent zum vierten Mal in Folge im einstelligen Bereich. Ein Wachstum der Industrieproduktion über 10 Prozent ist unserer Schätzung nach aber notwendig, damit die Zuwachsrate der gesamten Wirtschaftsleistung wieder über die 8 Prozent-Grenze steigt. Zieht die Industriekonjunktur in den nächsten Wochen nicht wieder an, wird dieses Ziel in diesem Jahr nur noch schwer zu erreichen sein.

Doch es gibt auch Zeichen, die zuversichtlich stimmen: So deutet die Stimmungsaufhellung im verarbeitenden Gewerbe durchaus auf eine Belebung hin. Auch ist es überraschend, dass sich die im Frühjahr angestoßenen staatlichen Infrastrukturinvestitionen nicht schon stärker im industriellen Output bemerkbar machen. Dies sollte sich in den nächsten Monaten aber ändern, zumal Peking – angesichts der offenbar auch für die Regierung überraschend schwachen Konjunkturdaten – das Volumen der Investitionsmaßnahmen nun nochmals angehoben hat. Auch die Inflationsrate hat sich zuletzt auf nur noch 1,8 Prozent und damit stärker ermäßigt als zu erwarten war, womit der People’s Bank of China zusätzlicher Spielraum eröffnet wird, die Geldpolitik weiter zu lockern. Mit weiteren Mindestreservesatzsenkungen der Notenbank, wahrscheinlich auch mit einer erneuten Zinssenkung ist in den kommenden Wochen durchaus zu rechnen. Und schließlich hat die chinesische Führung angesichts der schleppenden Exportkonjunktur wieder die Wechselkurspolitik ins Spiel gebracht. Zwar wertet der Yuan bereits seit Jahresanfang schon nicht mehr gegenüber dem US-Dollar auf und hat zuletzt sogar wieder an Wert verloren. Diese „heimliche“ Kehrtwende soll nun aber wieder zum offiziellen Leitfaden in der Wechselkurspolitik werden.

Damit riskiert die chinesische Führung zwar politische Konflikte mit den Vereinigten Staaten – gerade in der Endphase des Präsidentschaftswahlkampfes. Doch auch in Peking steht ein Führungswechsel unmittelbar bevor. Schon im Oktober sollen die Nachfolger von Präsident Hu und Ministerpräsident Wen gekürt werden und im März nächsten Jahres offiziell ihre Ämter antreten. Da passen konjunkturelle Probleme an sich nicht ins Bild. Bislang hat das konjunkturpolitisch eher vorsichtige Vorgehen Pekings noch nicht die durchgreifenden Erfolge gebracht. Die chinesische Führung scheint sich daher nun gezwungen zu sehen, die „Taktzahl“ etwas zu erhöhen, und die chinesische Wirtschaft sollte davon in den restlichen Monaten des Jahres auch noch profitieren können. Insgesamt wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr mit gut 8 Prozent aber so langsam wachsen wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Und das Risiko, dass das Wachstum sogar noch schwächer ausfallen wird, ist zuletzt eher gestiegen.

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