Spiel mit dem Feuer

Nachdem sich vor kurzem schon einige Politiker der Regierungskoalition in Deutschland zu einem möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum geäußert haben, kommen auch aus anderen vermeintlich stabilen Mitgliedsländern weitere düstere Stimmen. Zuletzt hat sich der finnische Außenminister zu Wort gemeldet. Er fordert die Gemeinschaft auf, „sich offen der Möglichkeit eines Auseinanderbrechens des Euro zu stellen“ und sich darauf vorzubereiten. Demnach erarbeitet Finnland einen Handlungsplan für alle Eventualitäten für ein Ende des Euro.

Die Auflösung der Währungsunion würde jedoch – wie auch die Euro-Einführung vor mehr als 13 Jahren – ein Experiment darstellen, welches in dieser Dimension noch nie durchgeführt wurde. Niemand kann heute sagen, wie ein Ende des Euro aussieht und was die Folgen wären. Kehrt man zurück zu nationalen Währungen oder gibt es Währungsblöcke wie einen Nord- oder Südeuro? Einigermaßen sicher erscheint aus heutiger Sicht, dass die neuen Währungen der heutigen Problemländer in einem wie auch immer gearteten neuen Währungsgefüge abwerten würden. Dies wäre hilfreich, um dort die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die wirtschaftlichen Probleme zu überwinden. Spiegelbildlich dazu dürften die Währungen aus der „stabilen“ Mitte und dem Norden Europas aufwerten, was die preisliche Wettbewerbsfähigkeit dort verschlechtern dürfte. Das würde sicherlich auch auf Finnland zutreffen, das mit seiner geringen Schuldenstandsquote als ein sicherer Hafen innerhalb der Eurozone gilt. Ob dann auch weiterhin wie fast ausnahmslos in den letzten Jahren finnische Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaftet werden, mag dahingestellt sein. Die finnische Volkswirtschaft wäre jedenfalls einem ähnlichen Aufwertungsdruck ausgesetzt wie zuletzt die Schweiz.

Auch wenn der finnische Europa-Minister Stubb sich von den Äußerungen seines Kabinettskollegen distanzierte und die Aussagen vielleicht nur landespolitische oder wahltaktische Manöver darstellen, zu einer Verbesserung der unsicheren Situation in der Staatsschuldenkrise trägt dies sicher nicht bei. Wenn wichtige Spieler der europäischen Politik darüber fabulieren, dass das Ende des Euro unweigerlich kommt, statt sich um eine Lösung der Staatsschuldenkrise zu bemühen, dann ist das ein Spiel mit dem Feuer.

Konstruktiver scheint uns die Suche nach Lösungen, wie sie derzeit sowohl von der EZB als auch von der Bundeskanzlerin betrieben werden. Gerade hat Kanzlerin Merkel den Kurs des EZB-Präsidenten Draghi bei der Hilfestellung für verschuldete Euroländer ausdrücklich unterstützt. Das Bestehen der EZB auf bestimmten Bedingungen, die Staaten als Gegenleistung für Hilfe erfüllen müssen, ist aber notwendige Voraussetzung dafür, eine positive Entwicklung für den Euro sicherzustellen.

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