Die EZB dürfte den Leitzins noch weiter senken

Die europäischen Währungshüter haben bei ihrer jüngsten Zusammenkunft die Wiederaufnahme ihres Ankaufprogramms als Schützenhilfe für den ESM beschlossen. Die von vielen Marktteilnehmern erwartete „Bazooka“ war dies nicht: kein groß angelegtes Ankaufprogramm ohne politische Auflagen an die Euro-Problemländer.

Einstweilen gehen wir weiter davon aus, dass die EZB, um geldpolitisch aktiv zu bleiben, den Leitzins ein weiteres Mal senken wird, nach unserer Lesart auf 0,50%. Am langen Ende der Zinskurve hat sich an unserem Bild nichts Wesentliches geändert, sodass wir weiterhin von Zehnjahres-Bund-Renditen von um die 1,20% ausgehen, sowohl auf Dreimonatssicht als auch auf einen Horizont zum Ende dieses Jahres. Auf Sicht von zwölf Monaten sollten gewisse strukturelle Veränderungen im Euro-Gefüge sie auf 1,80% ansteigen lassen. Die Renditen der Bundesanleihen werden nicht auf ewig so niedrig liegen wie derzeit, zumal Deutschland aktuell außergewöhnlich große Kapitalzuflüsse zugutekommen.

Eine vollständige Vergemeinschaftung der Staatsschulden im Euroraum, sei es über massive Staatsanleihekäufe, sei es über Rettungsschirm-Konstruktionen à la ESF und EFSF, müsste eine einheitliche Euro-Rendite zur Folge haben. Nach Schätzungen der DZ BANK könnten speziell die zehnjährige Bund-Renditen für den Fall vergemeinschafteter Staatsschulden aus dem Stand ohne Weiteres um mindestens 1,2 Prozentpunkte ansteigen. Direkte Nutznießer wären Länder wie Italien, deren Zinssätze in Richtung einer solchen einheitlichen Euro-Rendite fallen würden.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *