Ein EWU-Austritt käme Deutschland teuer zu stehen

In den kommenden Wochen steht eine ganze Reihe von wichtigen Entscheidungen an, die für die Zukunft der Europäischen Währungsunion prägend sein könnten: Am 12. September das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu ESM und Fiskalpakt; schon Anfang September reist die Troika wieder nach Athen, um die wirtschaftliche Situation zu bewerten und die Fortschritte bei der Umsetzung des griechischen Sparprogramms zu überprüfen; Spanien dürfte wohl in Kürze einen offiziellen Antrag auf direkte Unterstützung durch den EFSF bzw. ESM stellen – über das bereits zugesagte Hilfspaket von 100 Mrd. Euro für die spanischen Banken hinaus; und schließlich wird sich die Europäische Zentralbank bereits am 06. September erneut mit den in Aussicht gestellten neuen Stützungsmaßnahmen (Ankauf von kurzlaufenden Staatsanleihen in größerem Umfang durch die EZB) für Länder, die einen Hilfsantrag gestellt haben, befassen und detaillierte Pläne vorstellen.

Jedes dieser Ereignisse hat das Potential, die Diskussion über die Zukunft und den Fortbestand der Währungsunion noch weiter anzufachen. Möglicherweise könnte dabei eine Möglichkeit in den Fokus geraten, die derzeit noch nicht im Zentrum der Debatte steht: Ein Austritt Deutschlands aus der Europäischen Währungsunion. Sollte sich in Deutschland ein politischer Konsens herausbilden, dass weitere finanzielle Verpflichtungen anderen EWU-Ländern gegenüber entweder aus verfassungsrechtlichen Gründen oder aus wirtschaftlichen Erwägungen nicht mehr eingegangen werden sollen, sich aber unter den Mitgliedsländern keine Mehrheit für eine solche Position erreichen lassen, könnte ein Austritt Deutschlands aus der Währungsunion durchaus eine realistische Option darstellen.

In einer aktuellen Studie kommt unser Research zu dem Schluss, dass der Austritt eines Mitgliedslandes aus dem Euro-Raum oder der Zusammenbruch des Euro-Raums insgesamt verbunden mit dem Wiedereinführen nationaler Währungen hohe wirtschaftliche Risiken mit sich bringen würden. Zweifellos werden auch durch das Festhalten an der Währungsunion weitere Kosten für Deutschland entstehen, durch weitere Hilfspakete, durch den Ausfall oder den Verzicht auf Forderungen, sowie möglicherweise durch eine „Inflationssteuer“ bei einer Monetisierung der Staatsschulden. Die Risiken für die deutsche Wirtschaft bei einem Austritt, die sich sowohl aus möglichen Abschreibungen aufgrund von Forderungsausfällen als auch aus rezessionsbedingten Einkommensverlusten zusammensetzen, gehen allerdings nach unserer Einschätzung insgesamt weit über die Garantie- und Haftungssummen hinaus, für die sich Deutschland schon im Rahmen bestehender Rettungsmaßnahmen verpflichtet hat. Die von uns angestellten Berechnungen können dabei allenfalls grobe Hinweise geben, wie groß das Gefahrenpotenzial für Deutschland werden könnte. Sie zeigen aber, dass Deutschland im Falle eines Austritts aus dem Euro-Raum mit massiven wirtschaftlichen Kosten zu rechnen hätte.

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