Auch die Olympiade konnte den britischen Immobilienmarkt nicht beleben

Die von den Londonern zunächst mit Skepsis erwarteten Olympischen Spiele haben sich zu einem vollen Erfolg entwickelt und im rezessionsgeplagten Großbritannien für gute Stimmung gesorgt. Die könnte auch der britische Immobilienmarkt gut gebrauchen. Nach dem gerade veröffentlichten Halifax-Hauspreisindex sind die Hauspreise landesweit im Juli und im August gegenüber dem Vormonat um 0,7 beziehungsweise 0,4 Prozent gefallen, nachdem es im Mai und Juni Zuwächse in etwa vergleichbarer Höhe gab. Damit setzt sich die nun schon gut zwei Jahre anhaltende „Rauf-Runter-Abfolge“ des Marktes bei geringen Umsätzen und einem leicht rückläufigen Trend – gegenüber dem Vorjahr sind die Preise um rund ein Prozent gefallen – fort.

Dabei ist die Marktverfassung insgesamt sogar noch etwas schlechter als es aufgrund der Indexentwicklung scheint. Durch den leichten Aufwärtstrend des volumenstarken Teilmarktes in London, der von Käufen ausländischer Investoren profitiert, wird der landesweite Preisrückgang gemildert.

Die Schwäche des britischen Immobilienmarktes ist in erheblichem Umfang der schwachen britischen Konjunktur und der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit geschuldet. Darüber hinaus belasten aber noch weitere Faktoren den Markt. Dazu zählt das immer noch hohe Preisniveau, dessen Korrektur nach dem etwa zehnjährigen starken Preisanstieg von 2007 bis 2009 mit etwa 20 Prozent vergleichsweise moderat ausgefallen ist. Einen stärkeren Einbruch dürfte das eher knappe Wohnraumangebot auf der britischen Insel verhindert haben. Dennoch sind durch den Preiseinbruch viele hoch beliehene Immobilien „unter Wasser“. Die Besitzer sehen hier typischerweise von einem Verkauf ab, weil der Verkaufserlös nicht einmal das ausstehende Darlehen abdeckt. In Verbindung mit den verschärften Kreditvergabebedingungen der Banken, die nun deutlich höhere Eigenmittelanforderungen haben, ist der Markt in weiten Teilen wie „eingefroren“, weil viele Kaufinteressenten – insbesondere Erstkäufer – ohne Baufinanzierung nicht am Markt aktiv werden können. Insofern wirkt sich auch das niedrige Zinsniveau nur eingeschränkt positiv aus.

Wir gehen davon aus, dass die Marktschwäche in diesem und auch im nächsten Jahr bei weitgehend unveränderten Preisen anhalten wird. Der Markt wird sich nur langsam wieder beleben, indem die Käufer allmählich durch Sparen das notwendige Eigenkapital aufbauen und gegebenenfalls bestehende Überschuldungen durch Tilgungen abgebaut werden. Die verschiedenen öffentlichen Hilfsprogramme sind eine gewisse Unterstützung, aber sie können aufgrund ihres Volumens aus unserer Sicht nicht den Durchbruch bewirken. Helfen würde ein kräftiges Wirtschafswachstum, aber auch das ist nicht in Sicht.

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