China: Konjunkturwende verzögert sich weiter – Revision unserer Wachstumsprognose

In China lässt ein Ende des aktuellen Konjunkturabschwungs weiter auf sich warten: Die bislang vorliegenden Konjunkturindikatoren für das ausklingende dritte Quartal deuten vielmehr darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum auch in den Sommermonaten nochmals etwas verlangsamt hat, nachdem es bereits im zweiten Quartal auf 7,6 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit Anfang 2009 zurückgefallen war. Das zuletzt veröffentlichte vorläufige Umfrageergebnis bei den Einkaufsmanagern in der Industrie bestätigt diese Einschätzung: Der Stimmungsindikator konnte zwar minimal um 0,2 Punkte zulegen, blieb mit 47,8 Indexzählern aber weiterhin deutlich unterhalb der Expansionsschwelle. In der Quartalsbetrachtung ist der Index ebenfalls weiter rückläufig. Positiv ist allerdings, dass die weiter vorausschauenden Umfragewerte zur Einschätzung der Auftragslage aus dem In- wie aus dem Ausland erstmals wieder deutlich angestiegen sind.

Die bisherigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die Peking dem Konjunkturabschwung entgegengestellt hat – Mindestreservesatz- und Leitzinssenkungen seit fast einem Jahr, die „de-facto“-Aussetzung der Yuan-Aufwertung oder die Aufstockung einiger Infrastrukturinvestitionen in diesem Jahr -, konnten den Abwärtstrend bislang nicht umkehren. Dafür waren sie wohl zu vorsichtig angelegt. Erste Effekte dieser Maßnahmen, wie die Ausweitung der Vergabe neuer Kredite oder der Anstieg der staatlichen Investitionstätigkeit, sind zwar durchaus zu erkennen, dürften bisher aber höchstens den schleichenden Wachstumseinbruch abgefedert haben.

Daher und sicherlich auch mit Blick auf den bevorstehenden Führungswechsel in Peking häufen sich nun seit ein paar Wochen die Ankündigungen von Seiten der chinesischen Regierung, dass nun doch noch weitere fiskalpolitische Stimuli eingesetzt werden sollen. Inzwischen stehen vorgezogene Investitionsprojekte in Höhe von 1 Billion Yuan im Raum und es ist schon von einem „Pekinger Konjunkturpaket 2.0“ die Rede. Hier ist aber Vorsicht geboten: Denn auch wenn dieser Umfang einem Viertel des Konjunkturpaketes von 2008 entspricht, machten die Maßnahmen damals rund 14 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, während sie heute gerade einmal zwei Prozent des nominalen BIP entsprechen. Außerdem war das Ausmaß der flankierenden geldpolitischen Lockerung weitaus größer als es dies derzeit ist.

Dennoch haben die angekündigten Maßnahmen durchaus das Potenzial, das Wirtschaftswachstum in China wieder zu beschleunigen, wenngleich längst nicht in dem Ausmaß wie während der Wirtschaftskrise 2008/09. Aber selbst wenn sich die Wachstumseffekte so schnell einstellen wie damals, ist im kommenden Schlussquartal dieses Jahres bestenfalls mit einer ganz leichten Wachstumsbeschleunigung zu rechnen, während das Gros des Effekts dann zu Beginn des kommenden Jahres zum Tragen kommen sollte. Wir haben deshalb unsere Wachstumsprognose für die chinesische Wirtschaft entsprechend angepasst: In diesem Jahr wird das BIP-Wachstum wohl geringer ausfallen als bisher gedacht und mit 7,8 Prozent erstmals seit 13 Jahren auch wieder unter der Marke von 8 Prozent liegen. Im kommenden Jahr sollten die Wachstumsraten dann aber dank der Konjunkturmaßnahmen und unter der Voraussetzung einer stabilen Weltkonjunktur wieder sichtbar steigen. Mit durchschnittlich 9 Prozent könnte das Wirtschaftswachstum sogar etwas kräftiger ausfallen als bisher unterstellt.

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