Welche Schuld tragen die Banken an der Krise?

Auf die Frage, ob die Banken an der Kette von Krisen, in der wir seit mehreren Jahren leben, schuld oder mit schuld sind, kann die Antwort nicht Ja oder Nein lauten. Bevor das Thema in Deutschland zum Wahlkampfthema wird, scheint es angebracht, einige Aspekte für eine differenziertere Betrachtung aufzuzeigen.

Die gegenwärtige verfahrene Situation ist  aus dem Zusammentreffen zweier Entwicklungen entstanden: Zum einen die US-amerikanische Subprime-Krise, die über die internationalen Finanzmärkte auch schnell auf Europa übergriff. Hier kann man die Banken sicherlich nicht von einer maßgeblichen  Mitverantwortung freisprechen. Insbesondere die Aktivtäten vieler Banken außerhalb ihrer Bilanzen und die Produktentwicklungen, die zum Teil nicht die Interessen der Kunden wiederspiegelten, sind hier zu nennen. Die tieferen Ursachen der Subprime-Krise waren aber auch andere, darunter die viel zu lange durchgehaltene Niedrigzinspolitik der US-Zentralbank und der politische Druck auf die Finanzwirtschaft, möglichst vielen Bürgern zum eigenen Haus zu verhelfen.

Zum anderen waren jedoch schon davor innerhalb der Eurozone Fehlentwicklungen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik vieler Länder zu beobachten, die zu lange ungeahndet geblieben waren. Die jetzigen Problemländer verloren an Wettbewerbsfähigkeit, Leistungsbilanzdefizite türmten sich auf. Zu hohe Lohnsteigerungen waren dafür nur eine Ursache; auch Starrheiten in den Arbeits- und Gütermärkten, Reformstau in den Sozialsystemen, Überregulierung, ineffiziente öffentliche Verwaltungen und Steuersysteme trugen ihren Teil zur wirtschaftlichen Schwächung bei. Hinzu kam, dass eine Vielzahl von Euro-Ländern die selbst gesetzten fiskalischen Stabilitätskriterien nicht einhielten und Sanktionen gegen Verstöße nicht griffen.  Dazu kamen in einigen Ländern sehr niedrige Realzinsen, die zu einem starken Bauboom und letztendlich einer massiven Übertreibung im Immobilienmarkt führten. Die Banken begünstigenden diese Entwicklung durch eine sehr starke Kreditausweitung bei gleichzeitiger Absenkung der Risikostandards. Die Bankenbilanzen wuchsen sehr schnell, und eine Abwicklung der Banken war am Ende nicht mehr möglich, da die Belastungen für die Staatshaushalte zu hoch gewesen wären. Auf diese Weise entstand eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen Staat und Banken. Diese Problemlage ist vor allem in Spanien und Irland zu sehen. Griechenland, Portugal und Italien haben dagegen eher eine Wirtschaftsstrukturkrise.

Die Subprime-Krise mag als ein Auslöser der Euro-Schuldenkrise gewirkt haben, indem sie zum einen wegen der notwendig werdenden Banken- und Konjunkturstützungsprogramme die Staatsschulden noch weiter in die Höhe trieb, zum anderen indem sie bei den Investoren schlagartig das Risikobewusstein weckte, das zuvor weitgehend gefehlt hatte. Seit dem Beginn der Währungsunion (bzw. für Griechenland seit 2001) waren Staatsanleihen sämtlicher Euroländer von den Märkten als gleichermaßen sicher angesehen geworden, die Zinsspreads waren minimal. Die Banken wie auch die anderen Finanzmarktakteure gaben sich einer trügerischen Ruhe hin, die mit dem Lehman-Zusammenbruch 2008 plötzlich endete.

Konkretes Fehlverhalten von Banken lässt sich also durchaus diagnostizieren, etwa in Spanien und Irland, wo im Zuge einer Immobilienpreisblase die Kreditvergabe übermäßig ausgeweitet wurde und die Risikobewertungsverfahren – wie auch die Aufsichtsbehörden – letztlich versagten. Aber alleine die Vielschichtigkeit der Krise und der in ihr zusammenlaufenden Entwicklungen deutet darauf hin, dass die Banken nicht die alleinigen Auslöser waren. Ob man es im Nachhinein als einen Fehler der Banken ansehen kann, dass sie zur Finanzierungs der Staatsdefizite beigetragen haben, indem sie Staatsanleihen (schwerpunktmäßig der eigenen Länder) gezeichnet haben, mag aber dahingestellt bleiben.

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