Investmentstrategie: Geldpolitik der Notenbanken eine Vollkaskoversicherung für Investoren?

Derzeit sieht sich die Geldpolitik in der Pflicht, sich stärker um das Wohlergehen der Konjunktur zu kümmern. Weil die klassischen Mittel der Leitzinspolitik erschöpft sind, folgen auf beiden Seiten des Atlantiks die EZB, die Bank of England und die amerikanische Notenbank Fed dem Vorbild der Bank of Japan, die schon seit Jah-ren eine Politik der quantitativen Lockerung verfolgt – allerdings ohne nennenswerte Erfolge. Erklärtes Ziel der Notenbanken bleibt, auch die Renditen im längeren Segment tief zu halten, um neue Investitionen zu stimulieren. In den USA und England hat dies nicht funktioniert, auch wenn dort die realen Renditen, wie auch in Deutschland, im negativen Bereich liegen. Zu groß scheint derzeit der Druck bei den Staaten und im privaten Sektor, d.h. primär bei den Banken, Schulden abzubauen.

Für die meisten Marktteilnehmer scheint die Politik der Notenbanken eine Art Vollkaskoversicherung zu sein: Assets werden zum Teil ohne Berücksichtigung des Preis-/ Wertverhältnisses gekauft. So stiegen unmittelbar nach der Bekanntgabe des QE3 der Goldpreis um 90 US-Dollar und der Dow Jones Index um über 200 Punkte an. Speziell bei denjenigen Marktteilnehmern, die mit Hinblick auf das dem Ende zugehende Anlegerjahr 2012 noch „unterinvestiert“ waren oder bis dato „zu wenig Risiko“ gefahren haben, scheinen nun zu kaufen. Die Frage bleibt, ob die Maßnahmen der Notenbanken zielführend sein werden. Kurzfristig scheint es zu funktionieren; die Stimmung steigt und die Renditen sinken. Es bleibt aber unklar, welche Auswirkungen die ultra-expansive Geldpolitik auf Wirtschaft und Investoren haben wird. Längerfristig bauen sich erhebliche Ungleichgewichte auf, der Keim für zukünftige Inflation ist gelegt. Das wird die Zentralbanken ab einem bestimmten Punkt zum Gegensteuern zwingen.

Bis es soweit ist, setzen die Notenbanken aber weiterhin darauf, dass die Wirtschaft durch die Politik des billigen Geldes eines Tages deutlich an Fahrt aufnehmen wird. Diese Politik könnte die Nachfrage nach Aktien und Rohstoffen im Extremfall stark befeuern und zu massiven Kursanstiegen führen. So eine Rallye erscheint aktuell aber noch unwahrscheinlich, weil für massive Aktienrückkäufe seitens großer Kapitalanleger, insbesondere Versicherer, derzeit kein regulatorisches Fundament für einen Ausbau der Aktienquote existiert.

Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Wochen und Monaten rund um das Thema Schuldenkrise eine Pause eintritt. Bereits im Frühjahr 2013 liegt mit den Wahlen in Italien allerdings wieder ein potenzieller Stolperstein auf der Straße. Zunächst sollte die Nachfrage nach risikoreicheren Assets anhalten. Konjunkturzyklischen Risiken sollten Investoren aber weiter aus dem Weg gehen. Entsprechend haben wir unsere DAX-Position gegen den defensiveren Stoxx 600 getauscht.

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