Fiskalkrise: Gestörte Finanzmarktintegration im Euro-Raum

Die anhaltende Schuldenkrise in Europa hinterlässt zusehends mehr Spuren, nicht zuletzt auch in den Bilanzen der Banken. Spätestens mit dem Beginn des einheitlichen Währungsraums in Europa und damit dem Wegfall von Währungsrisiken hatten die Verflechtungen innerhalb des europäischen Bankensystems zunächst deutlich zugenommen. Die Schuldenkrise und die Umschuldung in Griechenland haben aber dann gezeigt, wie anfällig diese verwobene Struktur sein kann. Den Abbau von Verschuldung der Banken gegenüber dem Ausland, der im Wesentlichen in der Lehman-Pleite seinen Ausgang genommen hatte, haben die Unsicherheiten im Verlaufe der Eurokrise weiter verstärkt. Die Auslandsstaatsverschuldung hat in Europa im Zuge dessen eine zweigeteilte Entwicklung erlebt. Die Kernländer der Eurozone und die Programmländer Irland und Portugal haben in den zurückliegenden Jahren einen spürbaren Anstieg ihrer Auslandsstaatsverschuldung erlebt. Demgegenüber ist diese in den Staaten der Euro-Peripherie, die bislang ohne internationale Kredithilfen ausgekommen sind, eher rückläufig gewesen.

Ein genauerer Blick auf die Entwicklung an den internationalen Kapitalmärkten lässt erkennen, dass vor allem die Geschäftspolitik der Banken in der Eurozone sich deutlich verändert hat und sie ihre Auslandskredite deutlich reduziert haben. Die weltführenden Zentralbanken schließen im Moment Finanzierungslücken. Sollten sie in naher Zukunft, nicht zuletzt mit Blick auf dann vielleicht ansteigende Inflationserwartungen, ihre expansive Geldpolitik zurückfahren müssen, dürfte dies an den Kapitalmärkten für einen Anstieg der Volatilität und für Spreadausweitungen sorgen. Nur wenn sich die Situation an den Weltkapitalmärkten in den kommenden Monaten so nachhaltig erholt, wie dies gegenwärtig den Anschein hat, und nur wenn auch die internationalen Investoren auf breiter Front wieder an den Markt treten, kann die Kreditvergabe an die Realwirtschaft in der Peripherie wieder in Gang kommen.

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