Konjunktur in China: Talsohle nun endlich erreicht

Die Konjunktur in China hat über die Sommermonate weiter an Schwung verloren, das Wirtschaftswachstum hat sich gegenüber dem Frühjahr aber nur noch geringfügig verlangsamt. Wie das chinesische Statistikamt heute Morgen gemeldet hat, ist die chinesische Wirtschaft im abgelaufenen dritten Quartal um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Das ist zwar der niedrigste Wert seit über drei Jahren. Im vorangegangenen zweiten Quartal hatte das Wirtschaftswachstum aber nur leicht darüber, bei 7,6 Prozent, gelegen, während noch vor etwa einem Jahr Wachstumsraten von rund 9 Prozent und vor zwei Jahren von knapp 10 Prozent erzielt werden konnten. Nach über zwei Jahren Wachstumsdrosselung dürfte die chinesische Wirtschaft nun endlich die Talsohle im aktuellen Konjunkturzyklus erreicht haben.

Darauf deutet auch eine Vielzahl der jüngsten monatlichen Früh- und Wachstumsindikatoren hin: Die Industrieproduktion, die immerhin fast die Hälfte zur gesamten Wirtschaftsleistung beiträgt, hat sich im September wieder leicht beschleunigt – ganz im Einklang mit den ebenfalls verbesserten Stimmungsindikatoren für das verarbeitende Gewerbe im vergangenen Monat. Auch die Einzelhandelsumsätze haben zuletzt angezogen. Die Investitionstätigkeit konnte sich sichtbar, wenngleich auf vergleichsweise niedrigem Niveau, stabilisieren, wozu die staatlichen Investitionen erneut einen entscheidenden Beitrag geleistet haben. Hier dürfte sich die bereits im Frühjahr ankündigte Aufstockung der Mittel für den Ausbau des Eisenbahnnetzes bemerkbar machen, der insbesondere für die zweite Hälfte dieses Jahres vorgesehen ist. Eine positive Wende lässt sich auch bei den Exporten erkennen, die im September überdurchschnittlich angestiegen sind, vor allem dank einer stärkeren Nachfrage aus den asiatischen Nachbarstaaten. Die Wachstumsschwäche in Europa stellt aber nach wie vor eine erhebliche Belastung für die Exportkonjunktur dar.

Die nun gemeldeten Daten entsprachen weitgehend unseren sowie auch den Erwartungen des Marktes. Etwas aus dem Rahmen fiel hingegen der Wert für das BIP-Wachstum gegenüber dem Vorquartal: Mit 2,2 Prozent signalisiert er eine deutliche Zunahme der Wachstumsdynamik im dritten Quartal und wurde von Peking auch prompt als „Beginn eines milden Aufschwungs“ interpretiert. Wir halten diese Darstellung allerdings für fragwürdig: So haben sich die meisten der oben genannten Konjunkturindikatoren trotz ihrer Verbesserung im September in der Quartalssicht abgeschwächt. Auch korrespondiert dieser Wert nicht mit der berichteten Jahreswachstumsrate, die unseren Berechnungen zufolge dann deutlich höher liegen müsste. Wir gehen daher davon aus, dass die Wachstumsdynamik (gemessen an der Quartalsrate) im Sommer bestenfalls unverändert geblieben ist und erst im nun laufenden Schlussquartal wieder etwas anziehen sollte – nicht zuletzt dank erster Impulse der im Spätsommer angekündigten Fiskalmaßnahmen. Das Gros dieses Effekts dürfte aber erst Anfang kommenden Jahres zum Tragen kommen. Dann sollten die (Jahres-)Wachstumsraten auch wieder über die 8-Prozent-Grenze klettern können, während sie im laufenden Jahr noch darunter bleiben dürften. Für das Gesamtjahr 2012 rechnen wir nur mit einem Wachstum von 7,8 Prozent.

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