Wirtschaftsklima in Europa weiter verschlechtert, deutsche Unternehmen ebenfalls skeptischer

Die leichte Entspannung, die sich an den Finanzmärkten in den letzten Wochen im Hinblick auf die europäische Schuldenkrise gezeigt hat, hat für die Mehrzahl der Unternehmen im Euro-Raum die Geschäftsaussichten noch nicht positiv beeinflusst. Im Oktober haben sich vielmehr die Einschätzungen der Einkaufsmanager im Industrie- und im Dienstleistungsbereich weiter eingetrübt, wie sich am jüngsten Rückgang des Einkaufsmanagerindexes (EMI) von 46,1 auf 45,8 Punkte ablesen lässt. Dieser Umfrageindikator befand sich zuletzt im Januar dieses Jahres oberhalb der Wachstums-Schwelle von 50 Punkten. Nach den heute veröffentlichten vorläufigen Zahlen verbesserte sich zwar im Dienstleistungsbereich bei den befragten Managern die Stimmung geringfügig, für den Industriesektor wurde jedoch eine deutliche Verschlechterung gemeldet. Bezüglich einer Aufschlüsselung nach Ländern liegen bisher nur Zahlen für Deutschland und Frankreich vor: Danach ging der „Gesamt-EMI“ für Deutschland von 49,2 auf 48,1 Punkte zurück, für Frankreich wurde hingegen ein Anstieg von 43,2 auf 44,8 gemeldet. Im zweitgrößten Euroland konnte der Stimmungseinbruch vom September damit allerdings nur zum Teil wieder aufgeholt werden.

In Deutschland hat sich neben der verschlechterten Stimmung unter den Einkaufsmanagern auch das vom ifo-Institut bei rund 7.000 Unternehmen ermittelte Geschäftsklima im Oktober weiter eingetrübt. Der ifo-Index ist auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahren gesunken, vor allem weil die Firmen ihre aktuelle Geschäftslage deutlich weniger günstig einschätzen als noch im September. Die Geschäftserwartungen haben sich dagegen nicht weiter verschlechtert, das kann als Hoffnungsschimmer gewertet werden. Die Erwartungen waren bereits seit einigen Monaten kräftig gesunken und nehmen konjunkturelle Veränderungen üblicherweise besonders frühzeitig vorweg.

Für das laufende Quartal lassen die verschlechterten Stimmungsindikatoren eine deutliche Konjunkturabkühlung auch in Deutschland erwarten. Wir gehen davon aus, dass sich die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate, die noch im dritten Quartal recht kräftig ausgefallen sein dürfte, aktuell nur noch knapp über der Nulllinie bewegt und auch zu Jahresbeginn 2013 noch keine durchgreifende Belebung absehbar ist. Erst im weiteren Verlauf des nächsten Jahres erwarten wir eine konjunkturelle Stabilisierung – allerdings vorerst mit sehr verhaltenen Wachstumsraten.

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