US-Konjunktur im dritten Quartal 2012 mit überraschend viel Schwung

Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal nach vorläufigen Schätzungen um 2,0% (Q/Q, annualisiert) und damit stärker als erwartet gewachsen. Ein wesentlicher Impuls hierfür kam von den privaten Konsumausgaben für dauerhafte Güter, die allein um 8,5%  zulegten, nachdem sie im Vorquartal leicht rückläufig waren. Auch der Wohnungsbau konnte mit +14,4% ein deutlich positives Zeichen setzen. Die Ausgaben der Zentralregierung legten erstmals seit mehreren Quartalen wieder zu, ja stiegen gleich um fast um 10%  gegenüber dem Vorquartal. Von den Unternehmensinvestitionen ging demgegenüber ein negatives Signal aus, sie sanken um 1,3%. Und auch der Außenhandel konnte im abgelaufenen Quartal nichts zum Wachstum beitragen.

Wir werten das Ergebnis durchaus als positive Überraschung und nehmen unsere Konjunkturprognose für das laufende Jahr 2012 nun leicht auf 2,1% nach oben. Trotz rekordhoher Energiepreise und – über das gesamte Quartal betrachtet – immer noch unbefriedigender Arbeitsmarktdynamik haben es sich die US-Konsumenten nicht nehmen lassen, ihre privaten Ausgaben, auch jene für Autos und andere teure Gebrauchsgüter, wieder deutlich zu erhöhen. Die günstige Entwicklung der Häuserpreise und damit verbunden ein positiver Vermögenseffekt bei niedrigem Zinsniveau mögen hierzu beigetragen haben. Irritierend ist aber der Rückgang der privaten Anlageinvestitionen im abgelaufenen Quartal, auch und vor allem mit Blick auf die gewerblichen Bauaktivitäten. Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen stagnierten zuletzt. Dies alles lässt auf eine Abwartehaltung bei den Unternehmen vor den US-Präsidentschaftswahlen schließen.

Der Ausgang des Rennens um das Weiße Haus ist derzeit völlig offen. Wir rechnen nach wie vor und unabhängig vom Wahlausgang damit, dass die US-Wirtschaft im nächsten Jahr nicht von der „fiskalischen Klippe“ in eine Rezession fällt. Es wäre für beide politischen Seiten nicht vorteilhaft, es hierauf ankommen zu lassen. Jede Rezession wirft auch die Budgetkonsolidierung ein Stück weit zurück, insofern wäre eine weitere „Konfrontationsstrategie“ zwischen Kongress und Weißem Haus nicht zielführend. Bis aber klar ist, dass die Steuern vorerst wohl nicht erhöht werden und die geplanten Ausgabenkürzungen wohl zeitlich deutlich gestreckt werden, bleiben gleichwohl Unsicherheiten, die den kurzfristigen Konjunkturausblick belasten. Angesprochen sind hier besonders die Investitionen der Unternehmen und ihre Bereitschaft, neue Arbeitskräfte einzustellen. Vor diesem Hintergrund dürfte das Schlussquartal 2012 etwas moderater ausfallen als das dritte Quartal. Für das nächste Jahr bleiben wir bei unserer bisherigen Wachstumsprognose von 2,0%.

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