Wirbelsturm Sandy: Ein Dämpfer für das aktuelle US-Wachstum?

Nachdem der Wirbelsturm Sandy die US-Ostküste getroffen und gewaltige Schäden angerichtet hat, taucht unweigerlich die Frage auf: Welche wirtschaftlichen Folgen wird er haben? Und: Wird er einen dämpfenden Effekt auf das US-BIP-Wachstum ausüben? Einen Tag nach dem Ereignis, das bislang mindestens 43 Todesopfer gefordert hat, ist hierzu bestenfalls eine ganz vorläufige Betrachtung möglich. Die Hauptstadt Washington scheint glimpflich davon gekommen zu sein, ebenso andere Ostküstenstädte wie Philadelphia. Am größten sind die Schäden in New York City. Ersten Angaben aus den Medien zufolge belaufen sich die versicherten Schäden dort an Häusern, Autos und anderen Gegenständen auf mindestens 20 Mrd. US-Dollar. Hinzu kommen etwa genauso hohe oder gar höhere unversicherte Schäden. Direkt BIP-relevant ist davon aber nur ein kleiner Teil, insofern es sich etwa um Gebrauchsgüter für produktive Zwecke (z.B. Autos) handelt, oder Häuser, Ladengeschäfte und andere Immobilien betroffen sind, was kurzfristig die reguläre Geschäftstätigkeit behindert und daher schnelle Reparaturen erzwingt. Viele private Sachschäden werden sicher erst im Laufe der Zeit durch Neukäufe ersetzt, aber kurzfristig eben nicht zu BIP-Ausfällen führen.

New York ist kein industrielles Produktionszentrum im klassischen Sinne, von daher dürften die entsprechenden Produktionsausfälle insgesamt relativ gering ausfallen. Für die im Großraum New York massiv präsente Dienstleistungsbranche fallen aber der großflächige Ausfall der Stromversorgung und die erheblichen Schäden an den Verkehrssystemen stark ins Gewicht. Der dämpfende Einfluss auf das BIP hängt hier maßgeblich davon ab, wie lang die Reparaturen dauern werden, was derzeit noch schwer abzuschätzen ist. Man kann aber davon ausgehen, dass es so schnell wie nur irgend möglich geschehen wird.

Für das vierte Quartal muss per Saldo kein „Katastrophenabschlag“ auf das BIP-Wachstum erfolgen. Denn wegen der relativ langen Vorwarnzeit sind im Vorfeld des Sturms bereits viele Vorratskäufe und Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen getätigt worden. Nach der Katastrophe ist damit zu rechnen, dass vermehrt Umsätze für Ersatzgüter und Reparaturen an Sachgütern und Häusern erfolgen – dies umso mehr, als Versicherungsleistungen in Anspruch genommen werden können. Diese zusätzlichen Käufe können die BIP-Wirkungen infolge der unmittelbaren Produktionseinbussen unter Umständen überkompensieren. Anfang nächsten Jahres werden wohl weitere Ersatzkäufe und Instandsetzungsmaßnahmen erfolgen, ohne dass die reguläre Produktionstätigkeit noch erkennbar beeinträchtigt wäre. Die Erfahrung zeigt, dass große Naturkatastrophen mittelfristig per Saldo die Konjunktur eher stimulieren, so schmerzlich im Einzelfall die Schäden und der Verlust an Menschenleben auch sind.

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