China legt in Sachen Schiefergas einen Gang zu

Angesichts der Allgegenwart der Schlagzeilen-Magneten „Eurokrise“ und „US-Fiskalklippe“ ist die Gefahr aktuell recht hoch, dass Nachrichten unter dem Marktradar hindurchfliegen, die langfristig bedeutsam sein könnten. Eine dieser interessanten „Perspektivmeldungen“ ist die, dass Chinas Finanzministerium vor wenigen Tagen einen Fonds zur Subventionierung der Schiefergasexploration aufgelegt und den Lokalregierungen zudem erlaubt hat, zusätzliche eigene Subventionierungsmaßnahmen zu ergreifen. Die Zentralregierung in Peking sieht offenbar die Zeit gekommen, die als suboptimal angesehene Schiefergasdynamik deutlich zu beschleunigen. Woher kommt diese zunehmende Ungeduld?

Unseres Erachtens speist sie sich aus zwei Richtungen. Zum einen ist dies die Besorgnis vor einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA. Natürlich hat und behält China mit seinem riesigen Pool an billigen (und zusehends höher qualifizierten) Arbeitskräften den bilateralen Wettbewerbsvorteil niedriger Löhne. Bezüglich der als Produktionsinputfaktor nicht zu unterschätzenden Energiekosten droht China aber deutlich hinter die USA zurückzufallen. Während die USA auf der Basis ihrer „unkonventionellen Fördererfolge“ in der Schiefergas- bzw. -ölproduktion ihre Rohöleinfuhren zusehends zurückfahren und ab 2015/16 sogar zum Nettoexporteur von Erdgas avancieren könnten (wenn sie dies politisch wollen), steigen in China die entsprechenden Importbedürfnisse ihrer energiegefräßigen Produktionsmaschinerie immer weiter an. In diesem Kontext ist bedeutsam, dass eine Million britische Thermaleinheiten (MMBtu) Erdgas in den USA 3,50 USD kosten, während China für Import-Flüssiggas aus dem Mittleren Osten immerhin 16 USD berappen muss. Nicht zuletzt die Tatsache, dass immer mehr Makroökonomen den USA eine von billiger Energie getriebene „Reindustrialisierung“ prognostizieren, hat Peking offensichtlich dazu bewogen, bei der Nutzbarmachung der eigenen Schiefergasvorkommen einen Gang höher zu schalten.

Der zweite Anstoß zur verstärkten Gasproduktion aus heimischem Schiefergestein kommt aus den keimenden chinesischen Umweltschutzbestrebungen („Ökommunismus“). Nachdem drei Jahrzehnte ungebremstes Wirtschaftswachstum katastrophale Folgen für die Umwelt hatten, ist die chinesische Führung auch zur Vermeidung von Bevölkerungsprotesten zusehends bestrebt, einen nachhaltigeren Wachstumskurs einzuschlagen. Hierzu ist es erforderlich, die aus Kostengründen immer noch zu 70% auf heimischer (extrem schadstoffbelasteter) Kohle basierende Energieversorgung schrittweise sauberer zu gestalten. Ein Baustein sind riesige Investitionen in erneuerbare Energien (z.B. Photovoltaik, Windkraft). Eine weitere Komponente besteht im Auf- bzw. Ausbau klimaschonender Kohlekraftwerke mit CO2-Abtrennung und -Speicherung. Die Bereitstellung eines dritten Stützpfeilers in Form einer intensivierten Verstromung von (vergleichsweise sauberem) Schiefergas aus heimischer Provenienz wäre in diesem Kontext sicherlich eine willkommene Hilfe auf dem Weg in eine grünere Zukunft.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 5.00

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *