Europäischer Geldmarkt: Nach wie vor weit entfernt von Normalität

Im Zuge der Finanzkrise hat die Nachfrage der Banken aus den Peripheriestaaten nach Zentralbankliquidität drastisch zugenommen. Hierin spiegelt sich der Umstand wider, dass der Bankensektor in den Peripheriestaaten anhaltend Schwierigkeiten hat, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren und daher verstärkt auf die Tenderoperationen der Notenbank zurückgreift. Im Gegensatz hierzu halten sich insbesondere deutsche Banken bei den EZB-Tenderoperationen zurück. Die Nettoausleihungen des deutschen Bankensystems belaufen sich auf rund minus (!) 295 Mrd. Euro. Waren die deutschen Banken noch Anfang 2010 Netto-Schuldner des Eurosystems, sind sie zwischenzeitlich zum Netto-Gläubiger geworden.

Unsere Analysen zeigen, dass bei einer äußerst großzügigen Liquiditätsbereitstellung durch die EZB eine ausgeprägte Segmentierung innerhalb des europäischen Geldmarktes auszumachen ist. Während insbesondere Banken aus der europäischen Peripherie am Tropf der EZB hängen, „ertrinken“ deutsche Banken förmlich in EZB-Liquidität. Angesichts dieser inhomogenen Lage am europäischen Geldmarkt gehen wir nicht davon aus, dass die EZB-Ratsvertreter alsbald darüber nachdenken werden, die üppige Liquiditätsversorgung des europäischen Bankensystems zu reduzieren oder mit Blick auf die Tenderzuteilung zur geldpolitischen Normalität zurückzukehren.

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