China: Konjunkturerholung zeichnet sich immer deutlicher ab

Die Konjunkturerholung in China gewinnt immer deutlicher an Kontur – die meisten der für November vorliegenden monatlichen Wachstumsindikatoren weisen auf eine zunehmende konjunkturelle Dynamik bereits im laufenden Schlussquartal dieses Jahres hin. So hat sich das Wachstum in der Industrie, die immer noch rund die Hälfte zur Wirtschaftsleistung Chinas beiträgt, in den vergangenen drei Monaten zunehmend beschleunigt und ist zuletzt sogar um gut 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dies hatten zuvor auch schon die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe angedeutet, die im November erstmals seit über einem Jahr wieder beide über der sog. „Wachstumsschwelle“ lagen. (Anders als in den entwickelten Industriestaaten ist diese Expansionsgrenze im Schwellenland China nicht mit einer Stagnation, sondern mit einem Wachstum von – unserer Schätzung nach – rund 10 Prozent der Industrieproduktion kompatibel.) Besonders zuversichtlich stimmte dabei, dass fast alle Komponenten die Stimmungsverbesserung in der Industrie getragen haben und vor allem die weiter vorausschauende Auftragslage recht optimistisch eingeschätzt wurde. Dies spricht dafür, dass sich die Konjunkturerholung auch zum Jahresbeginn fortsetzen wird.

Wir rechnen damit, dass sich das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2013 wieder auf über 8 Prozent beschleunigen wird, nachdem es im Sommer mit 7,4 Prozent noch auf den tiefsten Stand seit über drei Jahren gefallen war. Träger der Konjunkturerholung ist dabei einmal mehr die staatliche Investitionstätigkeit. Seit dem Frühsommer sind sukzessive Infrastrukturmaßnahmen auf den Weg gebracht wurden, die ihren Hauptimpuls wohl nun während der Wintermonate entfalten werden. Auch vom Immobilienmarkt gab es positive Nachrichten, da sich die Wohnungsbautätigkeit zuletzt deutlich belebt hat. Die zuvor deutlich verlangsamte Bautätigkeit war eine der entscheidenden Belastungen für die chinesische Konjunktur in diesem Jahr.

Dämpfend wirkt sich dagegen weiterhin die Exportkonjunktur aus – das haben die jüngsten Zahlen vom November erneut bestätigt. Die Ausfuhren Chinas sind zwar leicht gestiegen, blieben aber weit hinter den Erwartungen zurück. In diesem Jahr ist ein zweistelliges Plus bei den Exporten – wie es die Regierung eigentlich angepeilt hat – außer Reichweite. Dabei werden die Belastungen, die von der Rezession in der Euro-Zone ausgehen, immer deutlicher. Die Ausfuhren in die EU, insbesondere in die EWU-Krisenländer, sind in den vergangenen Monaten erheblich geschrumpft. Längst ist die EU nicht mehr der größte Absatzmarkt für die Chinesen.

Die aktuelle Konjunkturerholung in China wird momentan von der Binnenwirtschaft getragen – ganz so, wie es im laufenden 5-Jahres-Plan angestrebt wird. Dass dabei einmal mehr auf staatliche Infrastrukturinvestitionen zurückgegriffen wird, muss für den Moment wohl als notwendiges Übel betrachtet werden. Immerhin wächst jetzt auch der private Konsum etwas kräftiger. Außerdem hat Peking aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und die bisherigen Konjunkturmaßnahmen erheblich vorsichtiger dosiert als vor vier Jahren. Vor allem der Immobilienmarkt wird nach wie vor bewusst „an der kurzen Leine geführt“, um eine erneute Überhitzung zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund wird der Aufschwung in China wohl weltweit zu spüren sein, längst aber nicht in dem Ausmaß wie 2009. Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft wird zunächst auch unterdurchschnittlich bleiben und erst 2014, wenn das globale Wachstum sich insgesamt beschleunigt, wieder an 9 Prozent heranreichen.

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