Erholung am US-Arbeitsmarkt verlangsamt sich, weitere Bedrohung durch Unsicherheit im Haushaltsstreit

In der US-Wirtschaft wurden im Dezember 155.000 neue Stellen geschaffen, die Zahl der neu geschaffenen Jobs im November wurde leicht auf 161.000 nach oben revidiert. Das entspricht weitgehend den Markterwartungen. Dass diese Dynamik jedoch kaum ausreichend ist, um die Lage am US-Arbeitsmarkt sichtbar zu verbessern, zeigen die weiteren Daten: Die Arbeitslosenquote lag unverändert gegenüber Vormonat bei 7,8 Prozent und hat sich damit seit September nicht mehr verändert. Die Zahl der Arbeitslosen war im Dezember 2012 nur um 500.000 niedriger als zu Jahresbeginn. Im Verlauf des Jahres 2011 war hier noch ein Rückgang um fast eine Million verzeichnet worden. Nach unserer Einschätzung setzt sich die Erholung am Arbeitsmarkt erst in der zweiten Jahreshälfte 2013 weiter fort, da zunächst die Unsicherheit im anhaltenden Fiskalstreit den Stellenaufbau belastet.

Denn nur durch eine Einigung in allerletzter Minute ist verhindert worden, dass die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn in eine Rezession stürzt. Im Verlauf des Dezembers war dem eine Zitterparty vorangegangen, die erst mit Beginn des neuen Jahres beendet wurde. Letztendlich konnten die Republikaner trotz ihrer teilweise massiven Blockadehaltung eine Anhebung des Steuersatzes für Einkommen oberhalb von 400.000 bzw. 450.000 Dollar nicht verhindern. Während die automatischen Ausgabenkürzungen vorerst nur um zwei Monate verschoben wurden, ist die Nothilfe für Langzeitarbeitslose für die Dauer des gesamten Jahres verlängert worden. Finanzielle Belastungen entstehen für die meisten Haushalte mit mittleren Einkommen jedoch aus den erhöhten Sozialversicherungsbeiträgen. Es ist aus konjunktureller Sicht positiv zu bewerten, dass den privaten Haushalten in einer Phase der beginnenden Erholung Steuererhöhungen weitestgehend erspart geblieben sind, schließlich ist der private Konsum ein wichtiger Wachstumstreiber in den Vereinigten Staaten. Allerdings hat sich bereits im Dezember mit dem Stocken der Verhandlungen das vom Conference Board erhobene Konsumklima sichtbar verschlechtert.

Der Verlauf der jüngsten Verhandlungen macht wenig Hoffnung auf ein zügigeres und konsequenteres Voranschreiten bei den jetzt anstehenden Gesprächen über die erforderlichen Ausgabenkürzungen, so dass sich die Stimmung bei den Verbrauchern zu Jahresbeginn weiter verschlechtern dürfte: Neben den finanziellen Belastungen dürfte eine anhaltende Verunsicherung die Konsumfreude trüben. So droht bei einer Zuspitzung des politischen Konfliktes bereits im Verlauf des kommenden Monats die Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung. Durch den jüngsten Kompromiss ergibt sich für unsere Wachstumsprognose von zwei Prozent für 2013 noch kein Anpassungsbedarf, da wir bereits für das abgelaufene und das laufende Quartal eine Verlangsamung der wirtschaftlichen Dynamik unterstellt haben. Sollte es jedoch in den kommenden Wochen nicht zu einer substantiellen Einigung kommt, die die steigenden Belastungen auf der Ausgabenseite nachhaltig begrenzt, droht durch eine anhaltende Verunsicherung auch im weiteren Jahresverlauf eine schwächere wirtschaftliche Dynamik. Nur ein tragfähiges finanzpolitisches Konzept, aber nicht ein fortdauerndes Hangeln von einem Kompromiss zum nächsten stellt ein investitionsfreundliches Umfeld dar, das auch für eine weitere Entspannung des Arbeitsmarktes erforderlich ist.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *