Bankenliquidität: Regulierer rudern in Sachen LCR teilweise zurück

Anfang dieser Woche hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht Einführungstermin und Berechnung der kurzfristigen Mindestliquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) revidiert. Zu den zugelassenen liquiden Aktiva zählen nunmehr auch bestimmte Aktien, schwächer geratete Unternehmensanleihen sowie RMBS. Im Lichte der Erfahrungen der jüngsten Finanzkrise wurden die unterstellten Annahmen bei  Liquiditätsabflüssen ebenso gelockert.

Die Kreditinstitute müssen zum 1. Januar 2015 nunmehr lediglich eine LCR von mindestens 60% und nicht wie ursprünglich vorgesehen 100% einhalten. In den Folgejahren soll sich der Mindestwert um jeweils 10 Prozentpunkte erhöhen (Phase-in), so dass die Banken erstmals zum 1. Januar 2019 und damit zeitgleich mit den neuen Eigenkapitalvorgaben die neue LCR-Mindestquote von 100% voll erfüllen müssen.

Wären beispielsweise europäische Banken gezwungen, das von der EBA geschätzte Liquiditätsdefizit von weltweit 1,2 Bio. Euro bis zum 1. Januar 2015 vollständig abzubauen, hätten sie im Gegenzug unter anderem andere Aktiva, vermutlich vorrangig andere Wertpapiere, aber auch Kredite, reduzieren müssen. Angesichts der bereits sinkenden Kreditvergabe in der Eurozone hätte dies die wirtschaftliche Erholung weiter verzögern können, auch wenn andere Faktoren ebenfalls für die rückläufige Kreditvergabe verantwortlich sind (unter anderem Deleveraging beziehungsweise Stärkung Eigenkapitalquoten, schwächere Kreditnachfrage).

Hinzu kommt, dass das Vorhalten eines hohen Liquiditätsbestandes die ohnehin unter enormem Druck stehende Nettozinsmarge der Banken zusätzlich belastet. Der IWF geht auf Basis der alten LCR-Definition von einer Belastung der Zinsmargen europäischer Banken von acht Basispunkten beziehungsweise rund 27 Mrd. USD pro Jahr aus. Die geplanten Lockerungen dürften sich somit positiv auf die Ertragskraft der Banken und damit deren Fähigkeit, laufende Verluste auszugleichen beziehungsweise intern Kapital zu generieren, auswirken.

Es ist davon auszugehen, dass auch nach den bisherigen Revisionen die Regelungen zur LCR nicht in Stein gemeißelt sind, sondern bis zur Einführung in zwei Jahren noch Änderungen erfolgen werden. Konkret wird sich der Ausschuss insbesondere mit der Frage auseinander setzen (müssen), wie sichergestellt werden kann, dass Notenbanken zukünftig nicht als „Lender of first resort“ agieren müssen, gleichzeitig aber der Zugang zu Notenbankkrediten bei der Berechnung der LCR angemessen berücksichtigt wird.

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