Deutsche Konjunktur im Jahr 2012 mit nachlassendem Schwung

Die deutsche Wirtschaft hat 2012 der europäischen Krise getrotzt und im Jahresdurchschnitt um 0,7% zugelegt. Das geht aus ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hervor. Damit dürfte Deutschland im abgelaufenen Jahr immerhin das mit Abstand beste Ergebnis aller großen EWU-Länder erreicht haben. Allerdings hat der konjunkturelle Schwung im Jahresverlauf auch hierzulande deutlich nachgelassen. Während im ersten Halbjahr vor allem vom Außenhandel noch eine recht kräftige Dynamik ausging, war die zweite Hälfte des letzten Jahres von einem schwächeren internationalen Umfeld und einer nachlassenden Investitionsneigung bei den Unternehmen gekennzeichnet.

Detaillierte Berechnungen für das Jahresschlussquartal 2012 liegen noch nicht vor. Die heute gemeldete Wachstumsrate für das Gesamtjahr von 0,7% lässt aber darauf schließen, dass die deutsche Konjunktur zwischen Oktober und Dezember 2012 deutlich ins Minus gerutscht ist. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im vierten Quartal wohl um knapp ein halbes Prozent geschrumpft sein. Besonders im Industriebereich machten sich zuletzt die schwache Nachfrage aus dem europäischen Raum sowie die Investitionszurückhaltung im Inland negativ bemerkbar.

Positiv zu vermelden ist, dass der deutsche Staatshaushalt im letzten Jahr zum ersten Mal seit 2007 wieder einen – wenn auch geringen – Überschuss erzielt hat. Während der Bundeshaushalt weiter im Minus steckenblieb, haben Gemeinden und Sozialversicherungen einen Überschuss erwirtschaftet. Per Saldo ergab sich 2012 für den öffentlichen Gesamthaushalt ein Plus von 2,2 Mrd. Euro, das entspricht 0,1% des BIP, nach einem Minus von 0,8% im Jahr 2011.

Zu Jahresbeginn 2013 deutet sich eine leichte Besserung der Konjunkturperspektiven an. So blicken die deutschen Unternehmen wieder etwas zuversichtlicher auf die Entwicklung der kommenden Monate, wie sich in der ifo-Umfrage zum Geschäftsklima zeigt. Dennoch wird auch das Jahr 2013, vor allem die erste Jahreshälfte, noch von den Belastungen durch die Staatsschuldenkrise gekennzeichnet sein. Nach unserer Einschätzung wird das Wachstum im laufenden Jahr noch etwas schwächer ausfallen als 2012, wobei sich allerdings im weiteren Jahresverlauf eine zunehmende Erholungstendenz durchsetzen dürfte.

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