Wirtschaftswachstum in China zieht wieder an

Die chinesische Wirtschaft hat ihr Wachstumstief vom Sommer hinter sich gelassen und das vergangene Jahr  wieder mit stärkerem konjunkturellen Schwung beendet. Wie das chinesische Statistikamt heute Morgen berichtet, hat sich das Wirtschaftswachstum im Schlussquartal 2012 auf 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr beschleunigt – im dritten Quartal war es mit 7,4 Prozent noch auf den niedrigsten Stand seit über drei Jahren gefallen. Die nun gemeldete Wachstumsrate hat die Markterwartungen und unsere eigenen Schätzung sogar noch leicht übertroffen. Im Gesamtjahr 2012 lag das Wachstum bei 7,8 Prozent und damit so tief, wie seit 1999 nicht mehr.

Vor allem die Investitionstätigkeit des Staates, aber auch eine wieder etwas höhere Dynamik bei der Wohnungsbautätigkeit haben das Wirtschaftswachstum im abgelaufenen Quartal gestützt. Hier machen sich nun die seit dem Frühsommer auf den Weg gebrachten Infrastrukturprojekte deutlich bemerkbar. Der Wohnungsbau, der sich im Laufe des vergangenen Jahres noch massiv abgeschwächt und damit maßgeblich zum Konjunkturabschwung beigetragen hatte, konnte zum Jahresende als typischerweise nachlaufender Immobilienmarktindikator erstmals von der Erholung am Wohnungsmarkt profitieren. Bereits seit einigen Monaten steigen die Hauspreise und -verkäufe wieder moderat.

Auch die Exporte legten deutlich zu, im gesamten vierten Quartal lag das Exportwachstum bei rund 9 ½ Prozent. Die Rezession im Euroraum hat der chinesischen Exportindustrie allerdings schwer zu schaffen gemacht. Um rund 6 Prozent sind die Ausfuhren in die Europäische Union – bislang der größte Absatzmarkt Chinas – im vergangenen Jahr geschrumpft; in die EWU-Krisenstaaten belief sich der Rückgang schätzungsweise auf über 15 Prozent. Nun sind die Vereinigten Staaten wieder der größte Abnehmer chinesischer Erzeugnisse. Für das Wirtschaftswachstum entscheidend ist allerdings, dass die Einfuhren Chinas im abgelaufenen Quartal wie auch im Gesamtjahr 2012 noch schwächer gewachsen sind, als die Exporte. Der Handelsbilanzüberschuss Chinas hat sich infolgedessen erstmals seit drei Jahren wieder deutlich um mehr als ein Drittel ausgeweitet. Der Importsog Chinas ist bislang also noch gering.

Hat China damit die Konjunkturwende geschafft? Wir meinen: ja! Einmal mehr hat die chinesische Regierung das Wachstum mit Konjunkturmaßnahmen angekurbelt, auch wenn das Ausmaß der Stimuli derzeit längst nicht so groß ist wie zur Zeit der Wirtschaftskrise 2009. Der Impuls sollte das Wachstum in den kommenden Monaten aber weiter tragen. Auch die Frühindikatoren deuten auf eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung zu Beginn dieses Jahres hin. Wir rechnen im laufenden Jahr mit Wachstumsraten über 8 Prozent, die zum Jahresende auch nahe an 9 Prozent heranreichen können. Impulse sollten dabei zunächst von der Binnenkonjunktur kommen – außer von den staatlichen Investitionsmaßnahmen auch von einer Fortsetzung der Erholung beim Wohnungsbau. Mehr und mehr sollte der Exportweltmeister China dann aber auch wieder von der Weltkonjunktur profitieren können. Wir erwarten in diesem Jahr ein BIP-Wachstum von 8,5 und 2014 von 8,7 Prozent.

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