Stabilisierungstendenzen am irischen Immobilienmarkt

Auch wenn die gerade veröffentlichten Immobilienpreise für Dezember gegenüber dem Vormonat um ein halbes Prozent nachgaben, so dürften die Zahlen doch zeigen, dass sich die verhalten positive Entwicklung am irischen Immobilienmarkt weiter fortsetzt. Denn etwa seit der Jahresmitte ist der über vier Jahre anhaltende starke Preisrückgang – die kräftigste Immobilienpreiskorrektur in Europa – zum Halten gekommen. Im Landesdurchschnitt lagen die Immobilienpreise im Dezember 4,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Jahresdurchschnitt lag der Preisrückgang gegenüber dem Vorjahr allerdings noch bei 11 Prozent. Vom Höchststand im dritten Quartal 2007 aus sind die Preise insgesamt um die Hälfte gefallen.

Dennoch weisen die Preise immer noch ein vergleichsweise hohes Niveau auf. Denn dem starken Preisrückgang war auch der mit Abstand stärkste Preisanstieg eines europäischen Immobilienmarktes vorausgegangen. Dadurch liegen die Preise heute immer noch mehr als 120 Prozent über dem Niveau vom Beginn des Immobilienbooms 1996 und sind damit in etwa so hoch wie in den ebenfalls hoch bewerteten Immobilienmärkten Spanien und Niederlande.

Trotz der durchaus erfreulichen Entwicklung bleiben die Aussichten für den irischen Immobilienmarkt weiter verhalten. Neben dem immer noch recht hohen Preisniveau dürfte der Markt auf absehbare Zeit durch eine schwache Nachfrage belastet werden, die sich etwa im seit gut drei Jahren fallenden Volumen der ausstehenden Darlehen zum Immobilienkauf niederschlägt. Zwar wird die irische Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr mit einem voraussichtlichen Plus von einem halben Prozent leicht zugelegt haben und nach unserer Prognose auch in diesem Jahr um etwa ein Prozent wachsen. Aber das hohe Niveau der Arbeitslosigkeit – die Quote liegt aktuell knapp unter 15 Prozent – dürfte ein ausgeprägteres Kaufinteresse erst einmal verhindern. Daher wird die durch das halbierte Preisniveau und die niedrigen Zinsen stark verbesserte Erschwinglichkeit auch nur marginal positive Impulse geben können.

Hinzu kommt, dass der schwachen Nachfrage weiterhin ein relativ hohes Angebot an fertig gestellten unverkauften Immobilien gegenübersteht. Positiv ist jedoch, dass durch den stark rückläufigen Neubau das Angebot kaum noch zusätzlich ausgeweitet wird. Eine weitere Belastung könnte sich aus dem hohen Volumen rückständiger Hypotheken ergeben, deren Anteil trotz des niedrigen Zinsniveaus in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Im dritten Quartal 2012 waren über 11 Prozent der Darlehen mehr als 90 Tage rückständig; damit sind rund 86.000 Hypotheken akut ausfallgefährdet. Dem entsprechend könnten über Darlehensabwicklungen zukünftig noch in erheblichem Umfang weitere Objekte auf den Markt gelangen, dessen Nachfragepotenzial – gemessen an den rund 18.000 neu gewährten Darlehen 2012 – mehr als überschaubar ist. Angesichts des sich allmählich verbessernden wirtschaftlichen Umfeldes in Irland gehen wir davon aus, dass sich die stabilisierende Grundrichtung am irischen Immobilienmarkt weiter fortsetzen wird, wenngleich durch die beschriebenen Belastungen erneute Rückschläge keineswegs ausgeschlossen sind.

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