Britische Wirtschaft legt erneut den Rückwärtsgang ein

Die britische Wirtschaft hat sich zum Ende des letzten Jahres wieder von ihrer schwachen Seite gezeigt: Die Wirtschaftsleistung ist im vierten Quartal 2012 einer ersten offiziellen Schätzung zufolge um 0,3 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Quartal geschrumpft. Dieses hatte Großbritannien im Sommer noch ein bombiges Wachstum von + 0,9 Prozent beschert, vor allem aber aufgrund der Sonderkonjunktur durch die Olympischen Spiele. Rückschläge waren hier also vorprogrammiert. Nahezu alle Olympia-Austragungsländer mussten in der Vergangenheit eine Wachstumsflaute im Anschluss an die Spiele hinnehmen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich vor allem im Tourismussektor sowie beim Staat nach den im Vorquartal sehr starken Zuwächsen nun „Bremsspuren“ zeigen. Zusätzlich haben Wartungsarbeiten auf einer Förderplattform in der Nordsee die Ölförderung eingeschränkt. Zahlreiche Konjunkturindikatoren für die Industrie, den Einzelhandel oder den Exportsektor hatten in den vergangenen Monaten den Rückgang der Wirtschaftsleistung schon erahnen lassen. Das Minus kam also nicht überraschend!

Sollte das Bruttoinlandsprodukt auch im laufenden Quartal nochmals sinken, befände sich die britische Wirtschaft nach der allgemein gängigen Definition sogar wieder in einer Rezession – nach dem Rückgang im ersten Halbjahr 2012 und der scharfen Rezession 2009 nun schon zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre. Ein „Triple Dip“ also? Völlig auszuschließen ist das nicht! Wir sind für den weiteren Konjunkturverlauf in Großbritannien auch eher skeptisch und erwarten für das laufende Jahr noch eine äußerst lethargische Konjunkturentwicklung. Die Wirtschaft leidet nach wie vor unter den doppelten Sparanstrengungen von privaten und öffentlichen Haushalten, die größere Sprünge beim Wachstum auch in den kommenden Jahren noch verhindern sollten. Und mit seiner Ankündung eines EU-Referendums dürfte Premier Cameron der Wirtschaft auch erst einmal einen Bärendienst erwiesen haben, da die Unsicherheit über den künftigen Status Großbritanniens internationale Investoren verschrecken dürfte.

Für den Moment allerdings deuten erste Verbesserungen bei den Frühindikatoren, wie dem Einkaufsmanagerindex für die Industrie oder dem OECD-Leading-Indicator,  zumindest auf eine Stabilisierung der Konjunktur zum Jahresanfang hin. Wir rechnen daher nicht mit einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung im laufenden Vierteljahr. Für das Gesamtjahr wird angesichts des nun schwachen Ausgangswertes vom Jahresende für das BIP zwar bestenfalls ein Anstieg von einem knappen halben Prozent zu erreichen sein. Im kommenden Jahr dürfte sich das Wachstumstempo dann aber allmählich dem Potenzialwachstum nähern. Angesichts der großen strukturellen Probleme der britischen Wirtschaft hat sich dies allerdings auf rund 1 ½ Prozent deutlich verringert.

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Ein Kommentar

Sollten die Briten irgendwann noch aus der EU aussteigen, dürfte es mit der Wirtschaftsleistung nochmals deutlich zurückgehen. Wie sie schon richtig schreiben, war das nicht gerade ein genialer Schachzug von Cameron.

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