US-Wirtschaft durch schwachen Staatsverbrauch und Außenhandel belastet, aber positive Investitionsdynamik

 Die US-Wirtschaft ist im Schlussquartal des vergangenen Jahres leicht geschrumpft, dies zeigt eine heute veröffentlichte erste Schätzung. Danach ging das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal auf das Jahr hoch gerechnet (annualisiert) um 0,1 Prozent zurück. Diesem ersten Rückgang seit dem Frühjahr 2009, war im dritten Quartal noch ein kräftiges Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent vorausgegangen. Während im dritten Quartal der Lageraufbau einen sichtbaren positiven Wachstumsbeitrag geliefert hatte, wirkte der in den folgenden Monaten eintretende Lagerabbau zum Jahresende spürbar dämpfend: Ohne den Lagereffekt wäre die US-Wirtschaft um 1,1 Prozent gewachsen.

Darüber hinaus belasteten im abgelaufenen Vierteljahr ein deutlicher Rückgang bei den Exporten und ein rückläufiger Staatsverbrauch die US-Konjunktur. Der Einbruch bei den Warenausfuhren war der stärkste Rückgang seit Anfang 2009 und spiegelt die jüngste Abkühlung der Weltwirtschaft wieder. Der Staatsverbrauch lieferte einen deutlichen negativen Beitrag, da auf Ebene der Zentralregierung die Verteidigungsausgaben so stark zurückgingen wie zuletzt vor vierzig Jahren. Der Einbruch der Staatsausgaben auf oberster Ebene um 15,0 Prozent (annualisiert) folgte allerdings auf einen kräftigen Anstieg (+9,5% Q/Q) im dritten Quartal. Darüber hinaus könnte aber auch die drohende Zahlungsunfähigkeit zum Verschieben von nötigen Investitionen geführt haben. Trotz der kräftigen Abbremsung der Gesamtwirtschaft gibt es bei den heute vorgelegten Zahlen auch positive Aspekte. So wuchs der private Konsum, der immerhin rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmacht, leicht stärker als in den vorangegangenen Quartalen. Auch die Unternehmensinvestitionen kehrten nach einer schwachen Entwicklung im Vorquartal wieder auf einen robusten Wachstumspfad zurück.

Trotz der recht positiven Zahlen zur privaten Inlandsnachfrage rechnen wir im laufenden Quartal nur mit einem schwachen Wachstum der US-Wirtschaft. So hat sich die Stimmung bei den Verbrauchern durch den anhaltenden Streit über den weiteren fiskalpolitischen Kurs und durch zum Jahresbeginn bereits gestiegene finanzielle Belastungen (höhere Sozialversicherungsbeiträge) wieder eingetrübt. Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe sind im Dezember auf Monatssicht zwar deutlich gestiegen, lassen ansonsten aber nur schwache wirtschaftliche Impulse aus dem Industriesektor erwarten. Im weiteren Jahresverlauf rechnen wir mit dem Anziehen der konjunkturellen Dynamik, da die Verunsicherung der Verbraucher und der Unternehmer weiter zurückgehen dürfte. Eine wichtige Vorraussetzung hierfür ist jedoch eine konstruktive Zusammenarbeit der politischen Blöcke in den kommenden Wochen und Monaten. Unsere Wachstumsprognose bleibt unverändert – im laufenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung um rund zwei Prozent gegenüber 2012 zulegen.

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