Wird ein politischer Verteidigungswall gegen die Euro-Stärke aufgebaut?

Traditionell ist der Datenkalender in der Woche nach dem monatlichen US-Arbeitsmarktsbericht sehr spärlich bestückt. Das gibt dem Devisenmarkt ausreichend Gelegenheit zu lauschen, ob sich die Diskussion über die Tragfähigkeit der Euro-Aufwertung intensiviert. Mit dem Aufbau eines verbalen Verteidigungswalls könnte es Europas Politikern möglicherweise gelingen, den Anstieg des Euro zu verlangsamen. Um den Anstieg aufzuhalten oder den Euro sogar wieder deutlich schwächer tendieren zu lassen, bräuchte es allerdings (verbale) Eingriffe von geldpolitischer Seite. Solange sich die EZB weiter dem Thema Preisstabilität verschreibt und nicht etwa die Konjunkturförderung als Ziel ihrer Politik ausruft, kann sie eigentlich nichts gegen die Euro-Aufwertung einzuwenden haben. (Ein festerer Wechselkurs dämpft bekanntlich tendenziell den Inflationsdruck, da importierte Güter, insbesondere Energie dadurch billiger werden.)

Die EZB, die wir von früher kennen, würde den Wechselkurs höchstens dann beeinflussen wollen, wenn aufgrund einer zu starken Aufwertung Deflation drohen sollte, oder wenn aufgrund überzogener Abwertung der Inflationsdruck zu stark würde. Allerdings hätte sich die EZB früher auch nicht zum Ankauf von Staatsanleihen bereit erklärt. Insofern könnte die EZB-Pressekonferenz am kommenden Donnerstag auch spannende Fragen zum Wechselkurs aufwerfen. Die EZB sieht im Euro die Verkörperung des europäischen Projekts, also ein zu hohes Gut, als dass es zu konjunkturpolitischen Zwecken manipuliert werden sollte. Ein fester Euro ist für die EZB-Vertreter wohl eher ein Kompliment für die Attraktivität der Eurozone als ein Problem, das es zu bekämpfen gilt. Wir gehen davon aus, dass EZB-Chef Draghi entsprechende Fragen in bekannter Manier abschmettern wird und somit wenig gegen eine weitere Euro-Aufwertung spricht.

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