Japanische Wirtschaft schrumpft auch im Endquartal 2012

Japans Konjunktur blieb auch im Endquartal 2012 schwach, das Bruttoinlandsprodukt sank gegenüber dem Vorquartal um -0,4% (annualisiert), nach -3,8% im dritten Quartal. Es war die dritte Minusrate in Folge. Aufgrund des äußerst starken ersten Quartals ergibt sich für das Gesamtjahr 2012 zwar immer noch ein Wachstum von +1,9%, aktuell muss sich Japan aber weiter mit Rezessionsproblemen und einer hartnäckigen Deflation beschäftigen. Immerhin hat sich aber der Abwärtstrend zuletzt erkennbar abgeschwächt. Trotz getrübten Konsumklimas vor der Jahreswende haben die Privathaushalte ihre Ausgaben erhöht, so dass hier die Einbussen aus dem Vorquartal fast aufgeholt wurden. Dennoch war die Binnennachfrage schwach, vor allem weil die Investitionen der Unternehmen stark gelitten haben.

Maßgeblich für den noch nicht überwundenen Abschwung sind die Exporte, die im letzten Sommer regelrecht weggebrochen sind. Im vierten Quartal sanken sie nochmals, diesmal um 4% (Q/Q, annualisiert). Dahinter stehen die schwächere Nachfrage auf wichtigen Auslandsmärkten, vor allem aber die Krise mit China. Der Streit um die Sengaku-Inseln hat die Exporte nach China, Japans wichtigstem Auslandsmarkt, aber auch die Produktion der japanischen Unternehmen vor Ort stark beeinträchtigt. Ob sich hier die Lage bald nachhaltig entspannt, kann noch nicht abgesehen werden. Der heftige Konflikt mit China bleibt für Japans Wirtschaft damit ein großer Risikofaktor. Im Übrigen ist der Exportsektor auch stark abhängig von der Weltkonjunktur, die sich in diesem Jahr erst schrittweise zu erholen beginnt. Zumindest dürfte die Yenabwertung seit Dezember eine Exporterholung erleichtern.

Die neue Regierung in Tokyo baut auf Fiskalmaßnahmen und extrem expansive Geldpolitik. Ihr im Januar beschlossenes Konjunkturpaket in Höhe von 13,2 Bill. Yen soll das Wachstum in Japan um 2 Prozent anheben. Mit ihm dürfte die Serie der Minusquartale beendet werden. Das Risiko ist aber, dass der expansive Effekt nicht lange vorhalten wird, sondern eher ein neues „Strohfeuer“ sein wird. Die Regierung will zwar auch solche Investitionen fördern, die zukunftswirksam wären (unter anderem auch im Raumfahrtbereich), sowie den Wiederaufbau der Erdbebenregion im Norden des Landes forcieren. Der Großteil der direkten Ausgaben des Konjunkturprogramms werden aber klassische Baumaßnahmen sein, die nur begrenzte Multiplikatorwirkungen entfalten dürften. Was bleiben wird, ist dann ein nur noch höherer Schuldenberg. Die Bank of Japan soll durch vermehrte Käufe von Staatspapieren die neue Expansionspolitik der Regierungskoalition kräftig unterstützen und die Zinsen niedrig halten.

Es ist zu erwarten, dass als Nachfolger von BoJ-Gouverneur Shirakawa, der am 19. März vorzeitig zurücktreten wird, ein Gefolgsmann von Premierminister Shinzo Abe eingesetzt wird, der die expansive Politik der Regierung von der monetären Seite her unterstützen wird. Das japanische BIP-Wachstum in diesem Jahr sehen wir vor dem Hintergrund der geplanten Maßnahmen nun bei 1,6%, im nächsten Jahr kann es 1,7% erreichen. Beide Raten wären deutlich über dem mittelfristigen Gleichgewicht (Potenzialpfad). Um das Wachstum aber auch über das Jahr 2014 hinaus abzusichern, wären bislang vernachlässigte Strukturreformen vonnöten. Der Beitritt Japans zur Transpazifischen Handelszone, der derzeit in der Regierung sehr kontrovers ist, wäre ein solcher Schritt in die strukturelle Erneuerung des Landes.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *