Konjunktur in China: Aufschwung mit Hindernissen

Während in Peking dieser Tage die Machtübergabe an die neue Führungsriege zelebriert wird, präsentiert sich die konjunkturelle Kulisse enttäuschend verhalten: Die jüngsten Wachstumszahlen für die ersten Wochen dieses Jahres haben zuletzt ein eher gemischtes Bild des aktuellen Konjunkturaufschwungs gezeichnet – zahlreiche Indikatoren wiesen überraschende Rückschläge auf. Mit einem deutlichen Rückgang von 52,3 auf 50,5 Punkte beispielsweise deutet der Einkaufsmanagerindex zuletzt auf eine merklich gestiegene Skepsis in der Industrie hin. Das Wachstum der Industrieproduktion hat sich ebenfalls wieder etwas verlangsamt. Seit ihrem Tiefpunkt im August letzten Jahres hingegen, hatten sich Frühindikator wie auch Wachstum der Industrie kontinuierlich verbessert, was sich dann letztlich auch in einem höheren BIP-Wachstum niedergeschlagen hat. Auch der Einzelhandel enttäuschte zuletzt.

Gerät der gerade erst begonnene Aufschwung in China damit bereits schon wieder ins Stocken? Den jüngsten Umfragen zufolge schätzen die Einkaufsmanager vor allem die Exportperspektiven wieder pessimistischer ein. Dies allerdings lässt sich an den aktuellen Werten noch nicht ablesen: Mit einem Plus von über 20 Prozent zum Vorjahr zeigten sich die chinesischen Ausfuhren zum wiederholten Male äußerst lebhaft. Auch unter Berücksichtigung der üblichen saisonalen – und in diesem Fall: positiven – Verzerrungen durch das chinesische Neujahrsfest ist dies ein recht schwungvoller Start ins laufende Jahr. Dennoch deutet die schwächere Auftragslage darauf hin, dass der chinesischen Exportkonjunktur in den kommenden Monaten zunächst wohl noch ein recht holpriger Pfad bevorsteht und sie weiterhin eines der größten Risiken für den aktuellen Aufschwung ist.

Positiv sind darüber hinaus auch die Wachstumsimpulse, die zuletzt von der Investitionstätigkeit kamen. Hierzu haben einerseits die von den Konjunkturmaßnahmen angestoßenen öffentlichen Investitionen beigetragen, andererseits aber auch eine kräftige Erholung der Bautätigkeit, die vor allem vom inzwischen deutlichen Aufschwung am chinesischen Immobilienmarkt profitiert, wo Umsätze und Preise wieder kräftig steigen. Frühindikatoren wie die Zahl der Baubeginne deuten zudem auf eine Fortsetzung dieses Trends hin. Wir gehen deshalb weiterhin davon aus, dass die chinesische Wirtschaft im laufenden Quartal ein Wachstum leicht oberhalb von 8 Prozent gegenüber Vorjahr erzielen kann. Für das Gesamtjahr 2013 halten wir eine Wachstumsrate von 8 ½ Prozent für realistisch.

Problematisch ist allerdings der zunehmende Preisdruck – am Immobilienmarkt, aber auch bei den gesamten Lebenshaltungskosten. Die Inflationsrate ist zuletzt mit 3,2 Prozent stark nach oben geschnellt, zwar vor allem aufgrund der Verzerrungen rund um die Neujahrsfeiertage, jedoch auch grundsätzlich zeigt die Preisdynamik in diesem Jahr unseres Erachtens deutlich nach oben. Bereits im Herbst dürfte die Teuerungsrate das aktuelle Inflationsziel, das der scheidende Premierminister Wen Jiabao gerade auf 3,5 Prozent abgesenkt hat, nachhaltig überschreiten. Gegen den Preisdruck am Immobilienmarkt hat die scheidende Führung erst vor wenigen Tagen die Regeln für den Zweitwohnungsbesitz nochmals verschärft, um Immobilienspekulation noch stärker zu unterbinden. Und auch die Geldpolitik wird schon bald nicht mehr so akkomodierend sein können wie noch im vergangenen Jahr. Im Jahr 2014 wird sich das Wirtschaftswachstum daher kaum noch weiter steigern, wir rechnen mit rund 8,7 Prozent.

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