EUR-USD: Hält die Italien-Wahl den Euro länger in Atem als zunächst gedacht?

Der Euro zeigte sich in den zurückliegenden Tagen von den Hiobsbotschaften aus Italien (Ratingherabstufung durch Fitch, Euro-skeptische Äußerungen Grillo) weitgehend unbeeindruckt. Sollten sich die italienischen Parteien jedoch weiterhin nicht auf eine Regierungsgemeinschaft einigen können, bzw. wird Italien von einer instabilen Koalition regiert, könnte der Euro durchaus verstimmt reagieren. So werden doch dann Neuwahlen zunehmend wahrscheinlich – und diese könnten länger auf sich warten lassen, als zunächst angenommen. Denn gemäß der italienischen Verfassung kann nur der Präsident das Parlament bzw. eine seiner Kammern auflösen und damit Neuwahlen ermöglichen. Er darf diese Befugnis aber nicht in den letzten sechs Monaten seiner Amtszeit ausüben. Da allerdings das Mandat des italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano am 15. Mai 2013 endet, kann er das italienische Parlament jetzt nicht auflösen. Erst ein neuer Präsident darf diesen Schritt vollziehen. Insofern bliebe im Falle von Neuwahlen die derzeitige Regierung um Mario Monti zunächst weiter im Amt.

Fortschritte bei den dringend benötigten Spar- und Strukturreformen wären in diesem Umfeld zwar nicht zu erwarten, allerdings muss auch keine Rücknahme der bereits eingeleiteten Reformvorhaben befürchtet werden. Sollte dann die Auflösung des Parlamentes eine der ersten Amtshandlungen des neu gewählten Präsidenten sein und geht man davon aus, dass zwischen der Auflösung des Parlaments und dem neuen Wahltermin wie beim letzten Mal etwa zwei Monate vergehen, wären Neuwahlen frühestens Mitte/Ende Juli denkbar. Da dies jedoch in die italienische Sommerpause fallen würde, kann man davon ausgehen, dass sich die Auflösung des Parlaments noch einige Zeit verschieben wird, was den Politikern auch Zeit geben könnte, das aktuelle Wahlrecht zu reformieren. Eine Neuwahl wäre damit wahrscheinlich erst im September zu erwarten. Der Euro dürfte sich von einer derart lange andauernden Hängepartie wohl wenig erfreut zeigen.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *