Zypern-Rettung – Paradigmenwechsel für Risikoeinschätzung

Die jüngste Rettungsaktion der  Euroländer für Zypern ist in ihrer Form bisher beispiellos und bedeutet einen weiteren Paradigmenwechsel. Erstmalig werden nun private Spareinlagen miteinbezogen. Dabei sind weder Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber betroffen noch müssen Halter zypriotischer Staatsanleihen einen Schuldenschnitt hinnehmen.

Diese Entscheidung ist speziell für kleine Sparer besonders bitter. Wären sie doch im Falle eine Bankenpleite durch das Einlagensicherungssystem bis zu einer Summe von 100.000 EUR geschützt gewesen. Da es nun zu keiner Bankenpleite kommt, zeigt sich das Einlagensicherungssystem als wertlos, was die Grundfesten des Vertrauens in das europäische Bankensystem erschüttern könnte. Die Risikogleichung erweitert sich für Sparer um ein bedingtes Konversionsrisiko.

Die politischen Entscheidungsträger in der EWU spielen unserer Einschätzung nach ein gefährliches Spiel, wenn sie darauf setzen, dass es zu keiner Flucht der Sparer aus instabilen Bankensystemen kommt. Ist eine solche Bewegung einmal in Gang gesetzt, ist es schwer möglich einen solchen Fluchttrieb aufzuhalten. Grundsätzlich muss nun das Risiko einer Enteignung privater Sparer durch eine Regierung in zukünftige Entscheidungen miteinbezogen werden. Eine erneute Belastung der Bankensysteme, insbesondere in den Peripherieländern wie beispielsweise Spanien, ist eigentlich das Unnötigste, was im Sinne der Krisendeeskalation gebraucht wird. Gerade, da sich erste Forschritte in Spanien zeigen, würde eine erneute Erschütterung des Vertrauens diese wieder zunichte machen, zumal der spanische Staat nicht gerade in der Verfassung ist, große Unterstützung zu leisten. Bisher konnte Spanien durch die ESM-seitige Stützung seines Bankensystems einen Gang zur Troika vermeiden, jedoch haben sich durch die jüngste, weittragende Entscheidung der EWU-Politik in dieser Hinsicht die Risiken wieder deutlich erhöht.

Die nähere Zukunft betrachtet stehen wir vor zwei Alternativen: Das zypriotische Parlament billigt die Rettungsaktion, und wir haben es in der Folge mit einem längeren Prozess der Abbildung neuer politischer Risiken (bedingtes Konversionsrisiko) in den Finanzmärkten zu tun. Fällt die Abstimmung in Zypern durch, bewegen wir uns auf eine neue Eskalationsstufe der Krise hin, da damit möglicherweise der Ausstieg eines Landes aus der Eurozone im Raum steht.

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