Zyperns Rettung ist erst der Anfang

Zypern verliert Kräftemessen mit der EU
Nach einer Woche der zähen Verhandlungen konnten Zypern und die EU in der Nacht zum Montag endlich einen Kompromiss in Sachen Rettungspaket erzielen. Dabei hat Zypern hoch gepokert und schlussendlich der EU auf der gesamten Linie nachgeben müssen.

Der Plan im Detail
Die Finanzhilfen der Kreditgeber (das heißt des ESM) sollen bis zu 10 Mrd. Euro umfassen. Zypern sichert außerdem zu, seinen überdimensionierten Bankensektor zu verkleinern und zu sanieren. Eine Beteiligung von Spareinlagen bis 100.000 Euro am Rettungspaket und die damit zunächst geplante Zwangsabgabe auf alle Konten entfällt. Der Plan sieht außerdem vor, die zweitgrößte Bank des Landes, Laiki Bank (englisch: Popular Bank of Cyprus), sofort zu schließen und diese dann unter voller Verlustbeteiligung von Aktionären, Anleihegläubigern und Spareinlagen von über 100.000 Euro abzuwickeln. Die Bank of Cyprus wird nicht abgewickelt, muss aber rekapitalisiert werden.

Die Folgen für Markt und Wirtschaft
Trotz des Rettungspaketes steht Zyperns Wirtschaft erst am Anfang eines langen Anpassungsprozesses, da ca. 45% der Gesamtwirtschaftsleistung bis dato vom Bankensektor erbracht werden. Diskussionen über einen späteren Euro-Austritt, um beispielsweise die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismussektors, zweitwichtigste Einnahmequelle des Landes, zu erhöhen oder eine Beteiligung der öffentlichen Gläubiger durch einen Schuldenschnitt könnten lauter werden. Aus Sicht der gesamten EU könnte aber die Frage nach den eher längerfristigen Folgen des Schuldenschnitts für das Verhalten der Sparer in anderen Krisenländern von primärer Bedeutung sein. Hier dürfte vor allem von Interesse sein, ob Anleger die diskutierten Zwangsbeteiligungen der Sparer als Anlass nehmen, um über die Verlagerung auch mittelgroßer Vermögen aus den Krisenländern nachzudenken. Zum anderen wird sich zeigen, ob die beabsichtigte Einführung von Kapitalverkehrskontrollen – ein in der EU seit Einführung des Binnenmarktes bislang einmaliger Vorgang – Anleger in zunehmendem Maße verunsichert.

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