Globale Devisenreserven: Euro-Anteil bleibt trotz Krise stabil

Noch vor wenigen Jahren hatten die europäischen Politiker große Ambitionen, den Euro als führende Welt-Reservewährung zu etablieren und den US-Dollar von dessen Thron zu stoßen. Angesichts des gegenwärtigen Teufelskreises aus Sparprogrammen und Rezession, des fehlenden politischen Konsens in der Eurozone und der immer wieder auflodernden Systemzweifel ist von diesen Ambitionen nicht mehr viel übrig. Und doch fällt auf, dass Investoren der Eurozone die Treue halten. Die Aufstockung der offiziellen Devisenreserven auf Euro-Basis ist zwar zum Stocken gekommen, von einem breit angelegten Abbau kann aber auch weiterhin nicht die Rede sein, wie die jüngsten Daten des IWF unterstreichen.

Der weltweite Bestand an Devisenreserven lag Ende 2012 bei 10,936 Bio. US-Dollar und damit nur wenig höher als Ende des dritten Quartals (10,783 Bio. US-Dollar). Davon entfallen auf die Industrieländer 3,691 Bio. US-Dollar, auf die Entwicklungsländer 7,245 Bio. US-Dollar. Den einzigen nennenswerten Reserveanstieg gab es in den Entwicklungsländern (+112 Mrd. US-Dollar), die ihre FX-Allokation allerdings weitgehend geheim halten und daher die Aussagekraft der Analyse verwässern. So wird derzeit in den Medien gerne von einem merklichen Abbau der Euro-Reserven seitens der Entwicklungsländer berichtet. Allerdings wird bei diesen Berichten übersehen, dass die dabei untersuchten Daten gerade einmal ein Viertel der weltweiten Reserven umfassen und wichtige Länder wie Japan und China gar nicht enthalten sind.

Der Anteil der Euro-Reserven liegt unverändert bei 23,9%, der Dollar-Anteil hat leicht von 62,1% auf 61,9% abgenommen. Wieder einmal sind es „sonstige“ Währungen, die am stärksten zulegen konnten (Anteil 6,1% nach 5,7%). Dieser Trend des zuletzt stabilen Euro-Anteils deckt sich mit dem Verhalten privater Investoren, bei denen trotz Krise ebenfalls keine breit angelegte Kapitalflucht aus dem Euro zu beobachten war, sondern eher eine Umschichtung innerhalb des Währungsraums.

Das heißt nicht, dass die Notenbanken restlos vom Euro überzeugt wären. Solange aber der US-Dollar die einzige echte Alternative ist, wird weiterhin der sprichwörtliche Einäugige unter den Blinden gesucht beziehungsweise diejenige Reservewährung, die noch am ehesten in Sachen Liquidität und langfristiger Solvenz überzeugen kann. Derzeit sieht es nach einem Unentschieden zwischen Euro und US-Dollar aus.

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