Spaniens Schuldenfalle

Spaniens wirtschaftliche Entwicklung galt lange als eine europäische Erfolgsgeschichte. Während bis 1993 die Immobilienbranche in einem Dornröschenschlaf verharrte, katapultierte der europäische Binnenmarkt die Branche in eine völlig neue Dimension. Als ein weiterer Katalysator für den Aufschwung wirkte die Einführung des Euro 1999. Entscheidend für diesen langjährigen Boom waren neben der für Spanien pro-zyklischen Geldpolitik der EZB die deutliche Reduktion der Risikoaufschläge, die das Land auf seine Staatsanleihen zahlen musste. Erst die Finanzkrise und die damit verbunden massiv angestiegenen Risikoprämien brachten Spaniens Erfolgsgeschichte ins Wanken; seitdem plagen das Land eine Immobilienkrise, Massenarbeitslosigkeit und eine tiefe Rezession.

Unsere Analysen zeigen, dass Spaniens Chancen sich alleine aus der Schuldenfalle zu befreien nicht gerade gut sind.  Die Lasten der geplatzten Immobilienblase bei einem gesunkenen langfristigen Potentialwachstum werden das Land noch lange beschäftigen. Neben der notwendigen Konsolidierung und Restrukturierung der Wirtschaft treten für Spanien finanzielle Extralasten durch steigende Schulden und hohe Zinskosten zutage, die einer Erholung entgegenstehen. Hierbei könnten die Finanzierungsnachteile der privaten Haushalte sowie des Staates gegenüber Deutschland seit Beginn der Finanzkrise bis 2020 auf ca. 10 % des BIP anwachsen. Spanien droht damit trotz eines im Jahr 2018 erreichbaren Primärüberschusses in eine Verschuldungsfalle zu geraten.

Die drohende Überschuldung Spaniens dürfte die EU dazu bewegen, über Finanzierungsalternativen für Spanien nachzudenken, die auf der Einnahme- und Ausgabenseite ansetzen. Neben direkter Wirtschaftsförderung oder einer möglichen Ausweitung der Transferunion könnte auch die Idee der Eurobonds sowie eines Schuldentilgungsfonds wieder stärker diskutiert werden. Die entscheidende Frage wird sein, welche der Optionen am Ende politisch durchsetzbar ist. Entsprechende Vorstöße dürften vor allem nach der Bundestagswahl unternommen werden.

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