US-Kapitalflüsse – bitterer Vorgeschmack aus Japan

Wie immer zur Monatsmitte stehen in Kürze die Daten zu den grenzüberschreitenden US-Kapitalflüssen an. Einst ein Kriterium für die Finanzierbarkeit der US-Leistungsbilanz, haben sich diese sogenannten TIC-Daten längst zu einem Gradmesse der internationalen Investorenstimmung gewandelt. Wie groß ist der Bedarf für US-Wertpapiere als sichere Häfen in Zeiten abflauender Krisen noch?

Einen Vorgeschmack auf die anstehenden US-Daten für Februar hat es bereits auf dem Umweg über Japan gegeben. Japanische Investoren haben im Februar ungewöhnlich hohe Summen an ausländischen Bonds verkauft. Die Repatriierungen waren mit netto 27,9 Mrd. US-Dollar so hoch wie zuletzt im April 2012, der wiederum der Rekord seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005 war. Wieso wir uns hier bei der US-Dollar-Analyse mit japanischen Daten beschäftigen? Weil Japan nach China der zweitgrößte Gläubiger der USA ist und der besagte für Februar berichtete Verkauf von US-Staatsanleihen in Höhe von rund 24 Mrd. US-Dollar beachtlich ist. Es wäre verfrüht, von einer breit angelegten Kapitalflucht aus den USA zu sprechen, aber für die am 15. April anstehenden US-TIC-Daten ist dies ein denkbar negatives Vorzeichen. Um auch weiterhin genügend Anlegerkapital anzuziehen, muss es den US-Finanzmärkten gelingen, sich vom perspektivisch obsolet werdenden sicheren Hafen (US-Staatsanleihen) wieder zu einem attraktiven Investitionsstandort für risikobehaftete Anlagen (Aktien, Unternehmensanleihen, Direktinvestitionen) zu entwickeln. Die Höhe des Kapitalzuflusses in die USA und noch vielmehr die Verteilung dieser Engagements über die verschiedenen Assetklassen ist hierfür ein gutes Indiz.

 

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