Die „US-Erdgasbäume“ wachsen (noch) nicht in den Himmel

Nachdem der US-Erdgaspreis infolge des rekordheißen 2012er-Sommers und des (niedrigpreisbedingt) massiven Brennstoffwechsels der US-Versorger zwischen Mitte April und Ende Dezember 2012 bereits um 70% angezogen war, hat sich der Erdgas-Steigflug auch zu Beginn des Jahres weiter fortgesetzt.

Unmittelbar sind die seit Jahresbeginn nochmals deutlich abgeschmolzenen US-Erdgasvorräte für diesen neuerlichen Preisauftrieb verantwortlich, die wiederum auf den überdurchschnittlich kalten US-Winter 2012/13, Produktionsausfälle durch „Bohrlochkopf-Vereisungen“ und eine Unterauslastung des US-Atomkraftwerkparks als (temporäre) mittelbare Preistreiber zurückzuführen sind.

Trotz wachsender Zahl von Erdgas-Optimisten und erster „Marktflüsterer“, die einem Erdgaspreis von >5 USD das Wort reden, machen es die mit anziehenden Notierungen sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite des Marktes einhergehenden Anpassungsprozesse sehr unwahrscheinlich, dass der Erdgaspreis die zuletzt im Juni 2010 überschrittene 5-USD-Marke kurzfristig wieder zurückerobern kann.

So verfügt die Angebotsseite immer noch über beträchtliche „Stille Erdgasreserven“ bereits explorierter aber noch nicht an das Pipelinesystem angeschlossener Erdgasquellen, die bei Preisen von 4,00-5,00 USD auf ihren produktiven Einsatz lauern. Überdies ist zu beachten, dass Erdgaspreise von 4,50-5,00 USD auch die Förderung in den zuletzt gemiedenen Trockengasregionen wieder deutlich attraktiver erscheinen lassen, was die zuletzt auf ein 14-Jahrestief abgestürzte Trockengas-Explorationsaktivität neu beleben dürfte.

Nachfrageseitig gilt es zu berücksichtigen, dass der im Jahre 2012 erfolgte Brennstoffwechsel von Kohle zu Erdgas keine Einbahnstraße darstellt. Bereits beim aktuellen „Erdgas-Agio“ von 0,50 USD werden einige Versorger ihren 2013er-Verstromungs-Mix wieder spürbar „kohlehaltiger“ gestalten. Zudem gilt, dass die Zahl der „rückwechselwilligen“ Stromerzeuger mit der Höhe des (relativen) Erdgaspreisaufschlags wächst.

Allein das Auslaufen der drei temporären Preistreiber sollte den laufenden Erdgaspreisanstieg spätestens bei 4,25-4,50 USD ausbremsen. Obwohl die anziehende US-Wirtschaft, weiter sinkende Erdgas-Nettoimporte sowie ein nach ersten Wetterprognosen erneut überdurchschnittlich warmer US-Sommer im Jahresverlauf einen Anspannungsimpuls für die Angebots-/Nachfrage-Balance auf dem US-Erdgasmarkt implizieren, machen die mit (weiter) steigenden Preisen verbundenen zunehmend intensiveren Anreize zur Produktionserhöhung und zum „Brennstoff-Rückwechsel“ von Erdgas auf Kohle, einen Sturm der 5-USD-Marke auf Sicht der kommenden 12-15 Monate sehr unwahrscheinlich.

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